Wirtschaftsweiser
Wieland warnt vor EZB-Wechselkurspolitik

Der Wirtschaftsweise Volker Wieland widerspricht EZB-Chef Draghi: Eine geldpolitische Lockerung sei nicht notwendig. Zugleich warnt der Ökonom vor den Gefahren einer aktiveren Wechselkurspolitik durch die EZB.
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FrankfurtDer Wirtschaftsweise Volker Wieland hat vor den Gefahren einer aktiveren Wechselkurspolitik durch die Europäische Zentralbank (EZB) gewarnt. „Der Wechselkurs sollte nicht direkt Ziel der Geldpolitik sein“, sagte er dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe). „Das wäre ein Widerspruch zum inländischen Ziel der Preisstabilität“, sagte der Geldpolitikexperte weiter. 

EZB-Chef Mario Draghi hatte kürzlich gesagt, dass die Stärkung des Wechselkurses eine weitere Anpassung der Geldpolitik in der Währungsunion nötig machen würde. Wieland teilt diese Einschätzung des Notenbankchefs nicht: „Selbst wenn der Inflationsausblick aufgrund des Wechselkurses noch etwas nach unten revidiert würde, wäre eine weitere geldpolitische Lockerung deshalb nicht notwendig“, sagte er.

Die Debatte über eine mögliche Einflussnahme von Notenbanken auf den Wechselkurs hatte Frankreichs Finanzminister Michel Sapin am Mittwoch neu entfacht. Er hatte sich für eine gezielte Schwächung des Euro durch die EZB ausgesprochen.

Der Wirtschaftsweise Wieland dagegen hält derzeit ein Eingreifen der EZB generell für falsch: „Es besteht kein Handlungsbedarf“, sagte er. Die niedrige Inflation der vergangenen Monate habe nachvollziehbare Ursachen. Dennoch rechnet Wieland mit einem Eingreifen der Währungshüter: „Die EZB steht in den Startlöchern“, sagte er. Das lasse sich an der Formulierung von Draghi ablesen: „Er hat davon gesprochen, dass die EZB bereits bei einer weiterhin niedrigen Inflation handlungsbereit ist – nicht erst bei Deflation.“

Damit habe Draghi ein Kommunikationsumfeld geschaffen, das zusätzliche Maßnahmen bereits dann rechtfertige, wenn die Preise nicht wie derzeit erwartet steigen.

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  • Man kann sich die Frage stellen, warum Währungen eigenständige Preise haben müssen? Sie führen nur zu Verzerrungen der Werte der Wirtschaftsleistungen von Unternehmungen in den betr. Währungsgebieten. Der Irrsinn der eigenständigen Bepreisung von Währungen zeigt sich an dem Abwertungswettlauf(um nicht zu sagen Abwertungskrieg), den Staaten mit eigenen Währungen veranstalten(z.B. Japan), um Vorteile gegenüber anderen Staaten mit eigener Währung bei den Exporten zu erzielen.
    Die Bepreisung von Währungen führt dazu, daß u.a. durch Gelddrucken seitens der Zentralbanken(z.b. Schweiz. Nationalbank, Jap. Nationalbank, USFed) der Währungswert absichtlich und künstlich gemindert wird. Der sfr stünde ohne das Gelddrucken der SNB deutlich höher als er aktuell steht( 1 sfr= 1 € und nicht 1 sfr= 0,82 €). Dies wird sich in Zukunft inflationär auswirken, oder anders ausgedrückt, der Wert der sich im Umlauf befindlichen Währungen wird willkürlich verwässert. Abhilfe könnte nur eine weltweite Einheitswährung schaffen. Auf diese Problematik wird bewußt oder unbewußt nicht hingewiesen(wäre für die Bürger/Wähler aber vielleicht etwas zu kompliziert).

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