Wohnimmobilienmarkt
Warnsignale aus den USA

Der Präsident der Federal Reserve Bank von Dallas, Richard W. Fisher, hält den Einbruch am US-Wohnimmobilienmarkt für ein „sehr ernstes Problem“. Die Häuserpreise, die vor wenigen Monaten in den Vereinigten Staaten noch mit zweistelligen Jahresraten gestiegen sind, stagnieren inzwischen oder geben nach.

FRANKFURT. Fisher räumt im Gespräch mit dem Handelsblatt ein, dass die US-Währungshüter in Wahrheit keine klare Vorstellung davon haben, wie sich die Situation bei Wohnimmobilien letztlich auf die Konjunkturdaten auswirken wird. „Ich bin derjenige, der am eindringlichsten vor dem potenziellen Ausmaß einer Abwärtskorrektur warnt“, sagte Fisher, der als Fed-Chef von Dallas den Sitzungen des Offenmarktausschusses (FOMC) beiwohnt, der über die US-Zinspolitik entscheidet. Es gehe ja nicht nur darum, wie weit die Zahl der Hausbauten, Hausverkäufe und Baugenehmigungen zurückgehe. Es komme auch darauf an, wie lange der Prozess andauere.

Stark sinkende und über einen langen Zeitraum hinweg niedrige Notenbankzinsen hatten die Hausnachfrage in den USA angeheizt. Bei steigenden Immobilienpreisen fühlten sich viele Amerikaner reicher und beliehen den Wertzuwachs. Ein Teil der neu gewonnenen Liquidität floss in den Konsum. Seit Ende 2005 schwächt sich der Immobilienmarkt jedoch ab. Im Oktober gaben die Baubeginne in den USA gegenüber dem Vorjahr um 27 Prozent und die Baugenehmigungen um 28 Prozent nach.

Nach Ansicht von Fisher wäre dem US-Immobilienmarkt einiges erspart geblieben, wenn die Zinspolitik der Fed restriktiver gewesen wäre. Von Juni 2003 bis Juni 2004 lag ihr Schlüsselzins bei einem Prozent. Europäische Notenbanker hatten die Fed damals heftig kritisiert, die US-Verbraucher in die Schuldenaufnahme zu treiben. Das Problem sei die Unzulänglichkeit der volkswirtschaftlichen Daten gewesen, betonte Fisher. Es habe sich erst später herausgestellt, dass die Inflation tatsächlich höher gewesen sei als zum Zeitpunkt der Zinsentscheidungen ausgewiesen. „Hätten wir damals die korrekten Zahlen gehabt, hätten wir die Zinsen wahrscheinlich nicht so lange so niedrig gehalten“, sagte Fisher. „Aber im Nachhinein ist man immer klüger.“

Zurzeit sieht der Zentralbanker in den USA einen deutlich geringeren Inflationsdruck als noch vor sechs Monaten. Dank der niedrigeren Energiepreise redeten die Unternehmer nicht mehr davon, ihre gestiegenen Kosten in die Preise zu überwälzen. Da die Wirtschaft fast vollbeschäftigt sei, zeige sich zwar in manchen Bereichen Lohnkostendruck. Die Unternehmer seien aber dabei, bei ihrer Preissetzung die Schwäche des Immobilienmarktes und eine mögliche Abkühlung der Wirtschaft einzukalkulieren.

Die Fed versucht nach Fishers Worten derzeit einzuschätzen, bis wann die Zinserhöhungen von einem auf 5,25 Prozent voll auf die Wirtschaft durchgeschlagen. „Wir kennen die Wirkungsverzögerung nicht. Sie wird von so vielen Dingen, einschließlich der Globalisierung, beeinflusst“, erklärte er. Persönlich sei er mit dem aktuellen Zinsniveau „zufrieden“. Die US-Notenbankzinsen von derzeit 5,25 Prozent hält er für „in etwa richtig“. Sollte es aber erforderlich werden, die Zinsen weiter anzuheben, sei er mit von der Partie: „Wenn ich mich irre, dann lieber in die Richtung, dass wir die Inflation bekämpfen – wegen des großen Schadens, den sie anrichtet.“ Die inverse US-Zinsstruktur, bei der kurzfristige Anleihen mehr Rendite abwerfen als langfristige, ist für Fisher in erster Linie Ausdruck des Vertrauens in die Stabilitätsorientierung der Fed. Sollte sich die US-Wirtschaft wider Erwarten deutlich abschwächen, beeinträchtige sie schon wegen ihrer schieren Größe die Weltwirtschaft, erklärte Fisher. Die Produktion allein von Texas sei um ein Viertel größer als die von Indien, bei einer realen texanischen Wachstumsrate von neun Prozent im ersten Halbjahr. Die Produktion Kaliforniens und seiner unmittelbaren Nachbarstaaten übertreffe die von ganz China um knapp 200 Mrd. Dollar.

Fisher ist aber zuversichtlich, dass sich die wirtschaftliche Aktivität in den USA durch den Einbruch am Immobilienmarkt nicht weiter abkühlen wird. „Es gibt Gegenkräfte wie die gesunkenen Energiepreise und den Boom bei gewerblichen Immobilien“, sagte der Dallas-Fed-Präsident. Er erwartet, dass die US-Wirtschaft im vierten Quartal wieder stärker wachsen wird als im dritten. Im dritten Quartal lag die Wachstumsrate bei 1,6 Prozent.

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