Wohnungsbau
Die Kelle ruht

Wenn es kein Geld vom Staat mehr gibt, bremst das den Drang der Deutschen ins eigene Haus: Der Wegfall der Eigenheimzulage hat die Zahl der Baugenehmigungen zu Jahresbeginn in den Keller sausen lassen. Der Baubranche bereitet der Rückgang ziemliche Probleme - der erste Fertighaushersteller hat schon eine Gewinnwarnung herausgegeben.

HB WIESBADEN. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte, wurden im ersten Quartal lediglich 40 600 Wohnungen genehmigt. - Das seien knapp die Hälfte weniger als im Vorjahreszeitraum. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern habe es sogar ein Minus um die 60 Prozent gegeben. Bei Wohnungen in Mehrfamilienhäusern sanken die Genehmigungen um knapp 25 Prozent. Die Wiesbadener Behörde sprach vom stärksten Rückgang seit Beginn der Datenerhebung 1970.

„Die Ursache für die drastischen Rückgänge dürfte insbesondere in der Abschaffung der Eigenheimzulage liegen“, schrieben die Statistiker. Auch die Anhebung der Mehrwertsteuer zum Jahresbeginn spiele eine Rolle. Die Eigenheimzulage war von der großen Koalition Ende 2005 per Gesetz abgeschafft worden. Für Bauanträge, die vor dem 1. Januar 2006 eingereicht wurden, konnte noch der Anspruch auf Eigenheimzulage nach den früheren Regelungen für einen Zeitraum von acht Jahren geltend gemacht werden. Im Jahr 2006 genehmigten die Bauämter 247 000 Wohnungsbauten, drei Prozent mehr als 2005. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern fiel der Zuwachs nach Angaben des Statistischen Bundesamtes deutlich größer aus.

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie hatte kürzlich gegen den Trend einer besseren Baukonjunktur sinkende Auftragseingänge im Wohnungsbau gemeldet. Die auslaufenden Vorzieheffekte wegen der Abschaffung der Eigenheimzulage sowie die Mehrwertsteuererhöhung ließen die Bestellungen in den ersten drei Monaten 2007 um 3,2 Prozent zurückgehen. Die Reichweite der Auftragsbestände im Wohnungsbau lag im April nur bei 1,9 Monaten und damit deutlich niedriger als in anderen Sparten.

Deutschlands größter Fertighausbauer Kampa rechnet damit, im laufenden Geschäftsjahr wegen der sinkenden Nachfrage in die roten Zahlen zu rutschen. „Das wird richtig ins Kontor hauen“, sagte der Vorstandschef der Kampa AG, Elmar Schmidt, am Dienstag in Minden. Die erwartete Höhe der Verluste bezifferte Schmidt nicht. Sollte die sich Inlandsnachfrage in den kommenden Monaten nicht erholen, sei es fraglich, ob die Ziele für 2008 und 2009 erreicht werden könnten. Bisher war Kampa von steigenden Umsätzen und Gewinnen von 2008 an ausgegangen.

Gleichzeitig senkte Kampa die Umsatzprognose für 2007 von 175 Millionen Euro auf rund 160 Millionen Euro. In den ersten beiden Monaten 2007 sei die Zahl der Baugenehmigungen bundesweit um 62 Prozent gesunken, sagte Schmidt. Derzeit erarbeite der Vorstand Maßnahmen, um auf die Ergebnis- und Umsatzeinbußen reagieren zu können. „Wir prüfen alle Optionen“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Sollte der Absatzrückgang anhalten, müssten die Kapazitäten angepasst werden.

2006 hatte Kampa einen Überschuss von 7,5 Millionen Euro erzielt - ohne Sondereffekte wie den Verkauf einer Betriebsstätte blieb ein Überschuss von 2,5 Millionen Euro. Im ersten Quartal 2007 verbuchte der Fertighausbauer einen Einbruch beim Auftragseingang: Die Aufträge sanken um 31,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal auf 40 Millionen Euro.

Der Finanzinvestor Triton hatte 2006 einen 55,33-Prozent-Anteil vom früheren Mehrheitseigner Wilfried Kampa übernommen. Seit Anfang Januar kommt der Investor auf einen Anteil von 62,8 Prozent der Kampa-Aktien.

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