Wolfgang Franz Chef der Wirtschaftsweisen kritisiert EZB-Krisenpolitik

Einen „sehr gefährlichen Weg“: So nennt der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, den Kurs der Europäischen Zentralbank. Er warnt, dass die Schuldenkrise nicht überstanden sei.
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Der Chef der Wirtschaftsweisen nimmt die EZB ins Visier. Quelle: dapd

Der Chef der Wirtschaftsweisen nimmt die EZB ins Visier.

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BerlinDer Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, hat den Kurs der Europäische Zentralbank (EZB) in der Euro-Schuldenkrise kritisiert. „Sie begibt sich damit auf einen sehr gefährlichen Weg und wir raten dringend, dass sie diesen Weg so schnell wie möglich wieder verlässt“, sagte der scheidende Vorsitzende des Sachverständigenrates in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

„Genau das wollten wir vom Sachverständigenrat nicht - dass die EZB quasi die Staatsverschuldung einiger Länder finanziert“, sagte Franz. Die EZB hatte im vergangenen Jahr angekündigt, notfalls in unbegrenztem Umfang Staatsanleihen von angeschlagenen Euro-Ländern aufzukaufen.

Nach Einschätzung des Mannheimer Ökonomen ist die Schuldenkrise im Euro-Raum nicht ausgestanden. „Man sollte sich von der Ruhe an den Finanzmärkten nicht täuschen lassen. Das ist zum großen Teil auf das Engagement der EZB zurückzuführen.“

Franz forderte die Währungshüter in Frankfurt auf, das Ziel eines stabilen Euro nicht aus dem Blick zu verlieren. „Falls eine restriktive Geldpolitik erforderlich sein sollte, muss die EZB einem möglichen entgegengesetzten politischen Druck widerstehen, darauf vertraue ich.“

Einen Abwertungswettlauf zwischen den Industrienationen fürchtet Franz nicht. Japan wird vorgeworfen, seine Währung gezielt zu verbilligen, um die eigene Exportwirtschaft zu stärken. „Ich glaube nicht, dass das zu einem wirklichen Währungskrieg führt. Da hat man gelernt aus den Erfahrungen, dass letztlich jeder bei so einem Abwertungswettlauf verliert“, sagte ZEW-Präsident Franz, der Ende des Monats aus dem Sachverständigenrat und beim Mannheimer ZEW-Institut ausscheidet.

Die Wirtschaftsweisen, feiern an diesem Mittwoch in Berlin ihr 50-jähriges Jubiläum.

  • dpa
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5 Kommentare zu "Wolfgang Franz: Chef der Wirtschaftsweisen kritisiert EZB-Krisenpolitik"

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  • Immerhin mehren sich die Stimmen, die die EZB-Politik und die draghi´schen Anleihekäufe für falsch halten. So bekommt Weidmann doch noch Unterstützung. Ob´s hilft steht auf einem anderen Blatt.

  • Ach und warum Herr Franz denn erst heute?
    Wo war er denn die ganze Zeit und hat unseren Politikern mal die Zügel angelegt?
    Zu was ist er denn Wirtschaftsweiser?

  • "Abwertungserfolge" sind verzeifelte Kurzfrist-Luftblasen ohne Bestand, ersetzen nicht eine internationale gesellschaftliche Wettbewerbsfähigkeit.

    Die EZB-Beteiligung am Geldfluten der Finanzmärkte ist ebenfalls eine Kurzfrist-Luftblase - die Virtualität der Zahlen bleibt dabei grundsätzlich erhalten. Alle Bad Bank-Modelle arbeiten z.B. deshalb noch immer mit unzureichenden Werte-Abschreibungen.

  • warum warnd denn keiner davor, dass wir die Gefahr einer Währungsreform haben? ach ja, die kommt dann urplötzich und unerwartet über Nacht, wo nie jemand was wußte, gell? ihr Pfeifen.

  • Nach Einschätzung des Mannheimer Ökonomen ist die Schuldenkrise im Euro-Raum nicht ausgestanden.
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    Wie denn auch? Mit Gesundbeten schaffen es gerade einmal die südeuropäischen Bankrotteure, den Norden am Nasenring vorzuführen - von einer substanziellen Besserung kann absolut keine Rede sein. Und wenn am Wochende Berlusconi in Italien das Ruder übernimmt, sieht die Welt ohnehin wieder ganz anders aus. Sollen wir etwa Rettungsschirme über Rettungsschirme installieren ...... und bei jeder Wahl in Europa das Zittern kriegen, weil dort nämlich - anders als bei uns - Politiker die Macht ergreifen, die knallharte nationale Interessen verfolgen?! So kann Europa nicht funktionieren, und der Euro schon gar nicht.

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