World Economic Outlook
IWF sieht Wachstum in Deutschland in Gefahr

Der Internationale Währungsfonds schlägt Alarm: Wegen der Schuldenkrise wird das weltweite Wachstum bald einbrechen. Vor allem für die Euro-Zone und Italien sieht es düster aus - und auch Deutschland dürfte es erwischen.
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WashingtonDie Euro-Schuldenkrise und der drohende globale Abschwung lassen beim Internationalen Währungsfonds die Alarmsirenen schrillen. „Die Weltwirtschaft ist in einer gefährlichen neuen Phase“, warnte IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard in dem am Dienstag vorgelegten Konjunkturausblick. Auch Deutschland droht in den Abwärtsstrudel zu geraten. Börsenprofis blicken so skeptisch auf die Wirtschaftsentwicklung hierzulande wie seit den Nachwehen der Lehman-Pleite Ende 2008 nicht mehr.  

Rund um den Globus wird die Wirtschaft nach Einschätzung des IWF sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr nur noch um vier Prozent wachsen. Im Juni hatte der Fonds noch mit 4,3 und 4,5 Prozent gerechnet. 2010 waren es 5,1 Prozent. Hauptgrund für die Abkühlung: das schleppende Wachstumstempo in den Industriestaaten. Mit Sorge blickt der IWF insbesondere auf die Euro-Zone: „Sollte die Schuldenkrise vom Rand auf die Kernstaaten übergreifen, könnte die globale Finanzstabilität ernsthaft ins Wanken geraten.“   

Die Rating-Agentur S&P hat zuvor Italien eine schlechtere Bonitätsnote verpasst und damit neue Sorgen genährt, das Mittelmeerland könne vollends in den Strudel der Euro-Schuldenkrise gerissen werden. Die Bonitätsprüfer begründeten ihren Schritt mit den schwachen Wachstumsaussichten des EU-Gründungsmitglieds. Auch der IWF sieht keine rosigen Perspektiven für das klamme Land. Für nächstes Jahr traut er Italien nur noch ein mageres Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 0,3 Prozent zu.

Auch Deutschland, die bisherige Wachstumslokomotive der Euro-Zone, muss sich der Prognose zufolge 2012 weiter hinten in der Rangfolge der wirtschaftsstarken Länder einordnen: Mit einem mittelprächtigen Plus von 1,3 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt würde die größte Volkswirtschaft Europas knapp vom Nachbarn Frankreich überholt.   

Falls sich die Konjunkturschwäche in den Staaten der Währungsunion fortsetzt, sollte die Europäische Zentralbank den Leitzins senken, rät der IWF. Zugleich sollten die Währungshüter ihre Staatsanleihenkäufe am Sekundärmarkt zumindest solange weiterführen, bis die europäischen Gipfelbeschlüsse zum Euro-Rettungsschirm umgesetzt seien.     

Schwellenländer wie China müssen sich dem IWF zufolge vor einer Überhitzung in Acht nehmen und zugleich den Binnenmarkt stärken. Die USA sieht der IWF auf einer Gratwanderung zwischen Konjunkturstützung und Haushaltskonsolidierung. Mit 1,8 Prozent dürfte die Wirtschaftsleistung dort laut IWF-Prognose 2012 weit stärker anziehen als in der Euro-Zone, die demnach nur ein mageres Plus von 1,1 Prozent erreichen wird. Als Grundproblem der schleppenden Erholung betrachtet der Fonds die schwache Konsumneigung in vielen Staaten.

Zwar seien die überschuldeten Länder nun auf den Sparkurs eingeschwenkt, die private Nachfrage würde die sinkenden Staatsausgaben aber nicht kompensieren. Die Gründe: Die hohe Verschuldung der Haushalte und die restriktive Kreditvergabe vieler Banken. „All das hat sich als größere Konjunkturbremse erwiesen, als wir erwartet hatten.“   

Die Schuldenkrise in Europa sowie die Angst vor einem weiteren Abschwung der Weltkonjunktur verunsichern auch die Anleger und Analysten in Deutschland. In der Umfrage des Mannheimer ZEW-Instituts sanken die Konjunkturerwartungen im September um 5,7 auf minus 43,3 Punkte. Größer war die Skepsis zuletzt im Dezember 2008. Das Barometer fällt nunmehr bereits den siebten Monat in Folge und nährt damit Sorgen vor einem Rückfall in die Rezession.

„Die künftige Konjunkturentwicklung ist von hoher Unsicherheit geprägt, die die Stimmung von Investoren und Konsumenten nach Ansicht der Finanzmarktexperten eintrübt“, sagte ZEW-Chef Wolfgang Franz, der als Vorsitzender der Wirtschaftsweisen auch die Bundesregierung berät. Im zu Ende gehenden Sommerquartal halten die meisten Experten ein kräftiges Wachstum in Deutschland von einem halben Prozent und mehr für möglich, nachdem es im Frühjahr wegen sinkender Konsumausgaben nur zu einem mageren Plus von 0,1 Prozent reichte. Nach Prognose der Industrieländer-Organisation OECD könnte das Bruttoinlandsprodukt am Jahresende dann aber erstmals seit Anfang 2009 wieder schrumpfen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " World Economic Outlook: IWF sieht Wachstum in Deutschland in Gefahr"

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  • 20.09.2011, 17:34 UhrAnonymer Benutzer: ANALyst

    nichts davon ist falsch, also, was ist ihr punkt???

  • Bachmann? Sie hat einen Nachrichten- /Unterhaltungs- -/So-tun-als-ob-investigativ- /aber auch inhaltlichen Wert. Darum berichten die Medien. Pro-Life zu sein ist nicht rechts-populistisch, sondern eine Meinung.

  • Dieses angeblich "kräftige Wachstum im 3. Quartal" ist doch keineswegs gesichert. es kann genausogut plus 0,1 oder auch minus 0.1 sein anstatt plus 0.5%. aber naja, besser mal auf Optimismus gemacht und plus 0,5 hinausposaunt.

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