Yen reagiert mit Kursgewinnen
China erhöht Leitzinsen

Die chinesische Notenbank hat am Freitag erneut die Leitzinsen erhöht, um die boomende Wirtschaft abzubremsen.

HB PEKING. Die einjährigen Schlüsselsätze für Einlagen und Kredite sollen ab dem 19. August um jeweils 27 Basispunkte steigen, wie die Bank of China am Freitag mitteilte. Der Einlagenzins beträgt damit dann 2,52 Prozent und der Satz für Ausleihen 6,12 Prozent.

Die Zinserhöhung tritt am Samstag in Kraft. Die chinesische Wirtschaft ist in der ersten Hälfte dieses Jahres mit 10,9 Prozent und damit deutlich stärker als zu Jahresbeginn erwartet gewachsen.

Die Zinserhöhung solle die Investitionen und das Kreditwachstum abbremsen, erklärte die Notenbank weiter. Der oft stellvertretend für die chinesische Währung gehandelte japanische Yen reagierte mit Kursgewinnen auf die Entscheidung.

„Das Problem des zu schnellen Investitions- und Kreditwachstums und des exzessiven Handelsüberschusses ist dringend“, erklärten die Notenbanker. Insgesamt befinde sich die Wirtschaft dennoch in einer guten Verfassung.

Die Zinserhöhung wird jedoch nach Einschätzung von Experten nicht ausreichen, um die heißlaufenden Investitionen in den Griff zu bekommen. Volkswirt Oliver Stönner von der Commerzbank in Frankfurt wertete sie vor allem als Signal für die Handlungsbereitschaft der Behörden: „Sie müssen die Geldpolitik weiter straffen oder einer schnelleren Aufwertung des Yuan zustimmen.“ Die Experten waren sich jedoch uneins, ob die Zinserhöhung auch ein Signal für eine bevorstehende Yuan-Aufwertung sein könnte. Die Behörden hatten eine Aufwertung zuletzt mehrmals angedeutet. Auch Peter Morgan, Asien-Chefvolkswirt der HSBC in Hongkong, sagte: „Diese kleinen Erhöhungen funktionieren nicht richtig. Die realen Zinsen sind im Vergleich zum Wachstum noch immer niedrig, das ist das Grundproblem.“

Zuletzt hatten die Währungshüter im April die Zinsen erhöht. Auch diesen Schritt hatten viele Beobachter als unzureichend kritisiert. Die Währungshüter hatten zudem die Banken des Landes angewiesen, ihre Geldvergabe an besonders überhitzte Branchen einzuschränken. Dank boomender Investitionen und Exporte legte Chinas Wirtschaft - Deutschlands wichtigster Handelspartner in Asien - im Frühjahr mit einem Wachstum von 11,3 Prozent so kräftig zu wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Kann Chinas Wirtschaft ihr Tempo halten, wird sie schon in zwei Jahren größer sein als die deutsche. Angefeuert von Chinas riesigem Handelsüberschuss sprangen die Investitionen im ersten Halbjahr zum Vorjahr um 30 Prozent.

China könnte die Wirtschaft auch durch eine Aufwertung seiner Landeswährung Yuan abbremsen, wie dies besonders die USA seit langem fordern. Dies würde Chinas Exporte verteuern und gleichzeitig Importe billiger machen und somit die Flut von Devisen eindämmen, die ins Land strömt und das Wachstum antreibt. Die USA und andere Länder kritisieren, dass China seine Exporterfolge mit einem künstlich niedrigen Yuan auf Kosten seiner Handelspartner erwirtschaftet.

Auch die japanische Notenbank und die Europäische Zentralbank haben vor kurzem angesichts des Konjunkturaufschwungs die Zinsen erhöht, die US-Notenbank Federal Reserve legte dagegen kürzlich bei der Straffung ihrer Geldpolitik eine Pause ein.

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