Yves Mersch
EZB-Direktor deutet mehrere Maßnahmen für Anfang Juni an

Senkt die EZB den Leitzins noch weiter, kommt der Strafzins auf Geld, das die Banken bloß bei der EZB parken? Nächsten Donnerstag könnte es so weit sein. Schon jetzt äußert ein EZB-Direktor sich vielsagend.
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TokioEZB-Direktor Yves Mersch hat die Bereitschaft der Europäischen Zentralbank (EZB) bekräftigt, zur Abwehr einer Deflation weitere Mittel einzusetzen. Beim Treffen des EZB-Rats in der nächsten Woche könne ein ganzes Maßnahmenbündel beschlossen werden, sagte Mersch am Mittwoch in Tokio. Es sei allerdings nicht sicher, dass diese Instrumente alle gleichzeitig eingesetzt würden. Die EZB könne derzeit keine konkrete Gefahr erkennen, dass die Wirtschaft in eine Spirale fallender Preise und sinkender Nachfrage und Investitionen abgleitet. Allerdings bereite sich die Zentralbank vor, notfalls gegenzusteuern.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters arbeitet der EZB-Rat aktuell an einem Maßnahmenbündel: Dieses besteht aus einer weiteren Senkung des ohnehin rekordniedrigen Leitzinses und sieht erstmals in der Geschichte der Währungsunion auch einen Strafzins für Banken vor, die Geld bei der EZB parken. Zudem wird intensiv über eine weitere Geldspritze für das Finanzsystem nachgedacht, um mehr Mittel in die Wirtschaft zu pumpen und die Kreditvergabe anzukurbeln.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte erst kürzlich auf einer Konferenz der Notenbank im portugiesischen Sintra die Bereitschaft zum Handeln betont. Am Finanzmarkt wird inzwischen fest damit gerechnet, dass die EZB bei ihrer Sitzung am 5. Juni weitere Pfeile aus dem Köcher holt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Die Regierungen und Zentralbanken belügen uns ja schon mit ihrer Definition von Inflation.
    Milton Friedman formulierte es kurz und prägnant: "Inflation ist IMMER UND ÜBERALL ein monetäres Phänomen."
    http://www.youtube.com/watch?v=YgxPyabmOrU
    Die Österreichische Schule der Nationalökonomie ist hier (gegenüber dem Monetaristen Friedman) noch eindeutiger: Inflation ist die Ausweitung der Geldmenge (also des Geldangebotes über die Geldnachfrage hinaus). Preissteigerungen sind also immer die FOLGE von Inflation, nicht die Ursache. Und je nachdem, in welchen Händen die überschüssige Geldmenge konzentriert ist, kommt es entweder zu Preissteigerungen bei den Vermögenspreisen (mit Ausbildung von Blasen an den Immobilienmärkten, Aktienmärkten, Bondmärkten usw.) oder bei den Güter- und Dienstleistungspreisen. Weil sich der weitaus größte Teil der Überschussliquidität heute nicht in den Händen der Bürger sondern in den Händen der (Investment-)Banken befindet, haben wir also vor allem Ersteres (= Asset-Inflation).
    Die Preise steigen also nicht, WEIL wir Inflation haben.
    Diese Irreführung, diese Täuschung betreiben die Politiker und die Notenbanken mit voller Absicht - das ist das eigentlich Perfide und Bösartige.
    Die Gründe dafür sind:
    1. Deren Verantwortlichkeit für die Preissteigerungen dürfen die Bürger keinesfalls erkennen.
    2. Durchschnittsanleger und Sparer (und nicht nur das "wissende" Smart-Money) würden Zinsen verlangen, die das Geldmengenwachstum ausgleichen: die (schleichende) Enteignung via Inlation wäre nicht mehr möglich.
    Letztendlich resultiert der "Erfolg" der Notenbankpolitik also auf dem Unverständnis der Masse.
    Andernfalls würdn die ZB´s nämlich auch ganz offiziell als das dastehn, was sie tatsächlich sind: nämlich absolut nackt.

  • Die haben den Warnschuss der EU-Bürger nicht gehört!!! Euro und EU werden zerbrechen, so sich wie das Amen in der Kirche. Und Deutschland mischt fleißig mit, auf seine hohen Kosten. Eine Schande.

  • Wede eine Deflation noch eine Inflation sind die Gründe. Auch nicht die Zurückhaltung der Banken mit Firmenkrediten und schon gar nicht das Motiv irgendeine Wirtschaft ankurbeln zu wollen.
    Es geht schlicht und ergreifend um den schleichenden Schuldenschnitt aller Staaten. Die Haushalte der Eurostaaten werden saniert zu Lasten der Sparer. Würde ein Schuldenschnitt in ehrlicher Form durchgeführt werden, bräche alles zusammen. So aber gehts ganz einfach. Die Leute meckern zwar, aber es passiert nichts weiter.

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