Zahl der Menschen ohne Job fällt im ersten Quartal auf historischen Tiefstand
Britische Arbeitsmarktdaten liefern Premier Blair Wahlkampfmunition

Die britische Job-Lokomotive läuft. Die gestern vorgelegten neuen Arbeitsmarktdaten belegen: Im ersten Quartal dieses Jahres lagen sowohl die international vergleichbare Arbeitslosenquote mit 4,7 % als auch die national maßgebliche Quote der Anspruchsberechtigten mit 2,9 % auf historischen Tiefständen.

LONDON. Zwar stiegen die Gehälter mit 5,2 % stärker als ursprünglich erwartet. Rechnet man die traditionell zu Anfang des Jahres fälligen Bonuszahlungen heraus, fällt der Anstieg jedoch gemäßigter aus.

„Großbritannien funktioniert“: Mit diesem Motto wirbt die britische Labour-Partei um Wählerstimmen bei den Kommunal-, Europa- und Londoner Bürgermeisterwahlen, die am 10. Juni anstehen. Reichlich Munition für seinen Dreifach-Wahlkampf erhielt Premierminister Tony Blair jetzt vom Nationalen Statistikamt.

Auf dem Arbeitsmarkt läuft die sonste knirschende Maschinerie von New Labour den Zahlen zufolge weiterhin auf hohen Touren. Großbritannien bleibt deutlich unter der Arbeitslosenquote der EU-15, die bei 8 % liegt. Allerdings sieht die Erwerbsquote der Briten auch deshalb so gut aus, weil sie Teilzeitstellen einbezieht. Diese machen auf der Insel mehr als ein Viertel der Beschäftigungsverhältnisse aus.

Doch trotz dieses Schönheitsfehlers hat das britische Modell unbestreitbare Vorteile im Vergleich zu Deutschland. Diese liegen nicht nur im lockereren Kündigungsschutz, sondern auch in der nicht eben üppigen „Aufwandsentschädigung für Arbeitssuchende“. Das geringe Arbeitslosengeld motiviert dazu, schnell in Lohn und Brot zurückzukehren: So erhalten über 25-Jährige pro Woche knapp 45 Pfund (rund 67 Euro). Schon mit dem gesetzlichen Mindestlohn von 4,50 Pfund pro Stunde erzielt ein britischer Arbeitnehmer bei einer im Land üblichen 37-Stunden-Woche fast den vierfachen Verdienst. Und der Arbeitslose bleibt stets unter Druck: Wer eine gemäß seiner Qualifikation vertretbare Arbeit ablehnt, riskiert sofort den Verlust des Geldes.

Wer nach sechs Monaten noch keine Arbeit besitzt, muss an einem der vielen „New Deal“-Programme des Landes teilnehmen, um nicht vom Geldfluss abgeschnitten zu werden. In einem Job-Center erarbeitet dann ein Berater einen „Aktionsplan“, bietet Interview-Trainings an oder entwirft die Bewerbungsunterlagen neu. Zur Hilfe der Center gehört auch der so genannte „Arbeitsversuch“: Gut zwei Wochen kann ein potenzieller Arbeitgeber den Bewerber auf Kosten des Staates testen. Hilft das alles nicht, sieht der Arbeitslose nach 12 Monaten die rote Karte: Dann gibt es kein Geld mehr vom Staat. Das jedoch sei in den vergangenen sieben Jahren nur in einem Drittel aller Fälle passiert, heißt es im Arbeitsministerium.

Allerdings gibt es auch Zweifel an der erfolgreichen Arbeitsmarktstatistik. So fragt sich der britische Chefökonom von Capital Economics, Jonathan Loynes, warum seit Jahren stets mehr Menschen in Lohn und Brot kommen – mittlerweile drei Viertel der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter, so viele wie noch nie –, obwohl das weltwirtschaftliche Umfeld eher von Schwäche geprägt war. „Bei einem flexiblen Markt müsste man in schweren Zeiten mehr Arbeitslose sehen.“

Seite 1:

Britische Arbeitsmarktdaten liefern Premier Blair Wahlkampfmunition

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%