Zahl des Tages
Teure Fritten treiben die Inflation

Pommes-Frites-Liebhaber müssen für ihr Lieblingsessen immer mehr zahlen, denn ihr Preis ist zuletzt um 43 Prozent in die Höhe geschnellt.
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Für Liebhaber von Pommes Frites ist die Nachricht schockierend: Der Preis für Tiefkühl-Fritten ist in den vergangenen zwölf Monaten um satte 43 Prozent gestiegen. Für eine Ein-Kilo-Tüte bezahlt man im Supermarkt heute im Schnitt 99 Cent. Vor einem Jahr war die Familienpackung noch für günstige 69 Cent zu haben. Kaum weniger erschreckend ist der Preisanstieg bei anderen Lebensmitteln. Der Kaffeepreis schnellte innerhalb eines Jahres um rund 30 Prozent in die Höhe, ebenso der Preis für Butter, belegt eine aktuelle Untersuchung des Informationsdienstes Preiszeiger.

Nicht nur die Lebensmittelpreise haben die Inflation in die Höhe getrieben, sondern auch steigende Preise für Energie. So verteuerte sich Heizöl um rund 27 Prozent, Benzin und Diesel um zwölf Prozent. Die Folge: In Deutschland verliert das Geld so schnell an Wert wie seit fast drei Jahren nicht mehr, die Verbraucherpreise haben sich seit April 2010 um 2,4 Prozent erhöht. Und die Inflation zieht noch weiter an. Professionelle Beobachter der Europäischen Zentralbank haben heute ihre Inflationsprognose für die Euro-Zone kräftig erhöht. Hatten sie für das laufende Jahr bisher mit 1,9 Prozent gerechnet, prophezeien sie jetzt einen Preisanstieg von 2,5 Prozent. EZB-Präsident Jean Claude Trichet ist alarmiert. Schließlich verfolgt die Bank das Ziel, die Inflation auf höchstens zwei Prozent zu begrenzen.

Den Wertverlust des Geldes bemerken inzwischen alle Verbraucher in der eigenen Tasche. Immerhin sind die Tariflöhne zuletzt nur um 1,7 Prozent gestiegen. Beim aktuellen Preisanstieg von 2,4 Prozent bedeutet das einen schmerzhaften Verlust an Kaufkraft. Da ist es nur ein kleiner Trost, dass die EZB bereits reagiert: Im April hob sie den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent an. Experten rechnen bis zum Jahresende mit zwei weiteren Zinsschritten der Zentralbank, die den Inflationsdruck dämpfen könnten.

Anderswo auf der Welt müssen Verbraucher noch deutlich stärker leiden als in Deutschland. In China hat das Geld in den vergangenen zwölf Monaten mit 5,3 Prozent rund doppelt so schnell an Wert verloren wie in Deutschland. Und in Großbritannien rechnen Beobachter damit, dass die Inflation im laufenden Jahr fünf Prozent erreicht. Doch Ökonomen beruhigen, der hohe Preisanstieg werde nur ein vorübergehendes Phänomen sein. Die Rohstoffnachfrage aus Schwellenländern sinke bereits wieder, weil sich die Konjunktur eintrübt. Und sollte es in den hoch verschuldeten Euro-Ländern Griechenland und Portugal zu einem Schuldenschnitt kommen, werde auch das die Inflation bremsen.

Derweil müssen sich die Deutschen damit abfinden, dass sie im Supermarkt ein Drittel weniger Pommes fürs gleiche Geld bekommen als noch vor einem Jahr. Anderes Gemüse zu kaufen ist finanziell jedenfalls kein gutes Geschäft. Der Preis für Weißkohl zum Beispiel ist um 33 Prozent gestiegen. Dieser Umstieg lohnt sich also höchstens aus Gründen der Gesundheit.

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  • Okay, also die Pommes sind schuld an der Inflation....ich dachte immer das liegt an den Milliarden Euros die wir auf dem Scheiterhaufen Europa verbrennen.

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