Zahlen der Bundesagentur
Talfahrt bei offenen Stellen vorerst gestoppt

Zum erstenmal seit Beginn der Wirtschaftskrise ist die Nachfrage nach Arbeitskräften in Deutschland im September ganz leicht gestiegen. Dies wird allerdings nicht ausreichen, um den Stellenabbau der kommenden Monaten auszugleichen.
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HB NÜRNBERG. Wie die Bundesagentur für Arbeit am Dienstag mitteilte, legte der Stellenindex BA-X um einen Punkt auf 123 Punkte zu. Allerdings sei die Bereitschaft zur Einstellung neuer Mitarbeiter noch viel zu gering, um den Stellenabbau in den kommenden Monaten auszugleichen. Und ob die Talsohle bei den Einstellungen wirklich schon durchschritten sei, bleibe abzuwarten. Der Stellenindex war seit Juni 2008 von damals 172 Punkten pausenlos gefallen.

Am Mittwoch will die Bundesagentur in Nürnberg die Arbeitslosenzahlen für September bekanntgeben. Die meisten Experten erwarten einen geringen und ausschließlich saisonbedingten Rückgang auf 3,4 Mio. Arbeitslose. Im Winter wird dann ein dramatischer Anstieg vorhergesagt.

Unicredit-Volkswirt Alexander Koch sagte, schon die übliche Herbstbelebung falle deutlich schwächer aus. Er rechne mit nur 60 000 Arbeitslosen weniger im September. Aber vor allem in der Automobilindustrie und im Maschinenbau gebe es starke Überkapazitäten. Obwohl die Weltwirtschaft wieder anziehe, hätten sich die Beschäftigungspläne verschlechtert. Nach dem Auslaufen der Kurzarbeit in vielen Unternehmen werde ein Teil der Betroffenen arbeitslos werden. Die größte Entlassungswelle komme im Winter, aber "das ganze nächste Jahr wird die Arbeitslosigkeit steigen", sagte Koch. Im Jahresdurchschnitt erwarte er 4,5 Mio. Menschen ohne Stelle.

Allianz-Volkswirt Rolf Schneider sagte, die schwerste Wirtschaftskrise seit den dreißiger Jahren habe den Arbeitsmarkt bisher noch glimpflich getroffen, "auch dank Kurzarbeit. Die schlechte Entwicklung liegt noch vor uns". Im September rechne er mit einem relativ schwachen Rückgang der Arbeitslosenzahl um 72 000 auf 3,397 Mio. und einem Anstieg im kommenden Jahr auf durchschnittlich knapp vier Millionen. Während der Gesundheitssektor Beschäftigung aufbaue, komme in der Industrie noch ein "deutlicher Stellenabbau".

Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen sagte, der Arbeitsmarkt sei bisher "glimpflich davongekommen. Aber nach diesem schweren Einbruch kann das nicht auf Dauer so sein, da wird noch was passieren." Im September rechne er mit 85 000 Arbeitslosen weniger. Aber bis nächsten Sommer werde die Arbeitslosigkeit auf 4,5 Mio. steigen. "Auch die Insolvenzen werden hoch gehen", sagte Solveen.

Nach einer Umfrage der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" will ein Drittel von 24 befragten Industriekonzernen die Kurzarbeit bis zum Jahresende zurückfahren. Bei einigen wie etwa dem Chiphersteller Infineon habe sich die Auftragslage deutlich verbessert, andere bauten die Arbeitsplätze jetzt ab. Die Hälfte der befragten Konzerne wolle die Kurzzarbeit beibehalten, Opel wolle sie noch ausweiten. Ford und MTU verzichteten ganz auf Kurzarbeit. Insgesamt seien in den befragten Unternehmen schon mehr als 30 000 Stellen gestrichen worden. Allein ThyssenKrupp habe die Belegschaft um 12 000 reduziert.

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