Zahlen für das zweite Quartal
US-Wirtschaftswachstum kräftig nach oben revidiert

Die US-Wirtschaft ist im zweiten Quartal deutlich stärker gewachsen als ursprünglich angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg nach revidierten Zahlen mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 3,3 (erste Schätzung 1,9) Prozent nach 0,9 Prozent im Vorquartal.

HB WASHINGTON. Das ist das stärkste Wachstum seit dem Sommerquartal 2007. Analysten hatten im Schnitt mit 2,7 Prozent gerechnet. Der für die Inflationsentwicklung in den USA wichtige Kernpreisindex auf Basis der Konsumausgaben stieg laut US- Handelsministerium um annualisiert 2,1 Prozent. Im Vorquartal hatte er ebenfalls um 2,1 Prozent zugelegt. Dieser Index ist für die US-Notenbank Fed ein zentraler Inflationsindikator.

Dem Ministerium zufolge ist das verbesserte Ergebnis vor allem auf Rekordexporte und eine vorübergehende Stimulierung durch Steuerrückzahlungen im Rahmen des Konjunkturprogrammes der Regierung zurückzuführen. Experten gehen davon aus, dass das Wachstum im zweiten Jahresviertel das beste Quartalsergebnis dieses Jahres sein wird. Es sei zu erwarten, dass ein sich abzeichnender Rückgang der US-Verbraucherausgaben und der Exporte angesichts einer langsameren Wirtschaftswachstums in Übersee die Konjunktur wieder dämpften.

Auch vom Arbeitsmarkt kamen positive Signale. So ist die Zahl der Amerikaner, die erstmals Anträge auf Arbeitslosengeld stellten, in der vergangenen Woche zum dritten Mal in Folge zurückgegangen. Anfang August hatte sie noch ein Sechs-Jahres-Hoch erreicht. Jetzt liegt sie saisonbereinigt bei 425 000 (minus 10 000). Allerdings gilt ein Wert über 400 000 bei Konjunkturexperten immer noch als Indikator für einen Wirtschaftsabschwung.

Der private Konsum erwies sich im Frühjahr ebefalls stärker als bisher erwartet. Die US-Verbraucher steigerten ihre Ausgaben um 1,7 Prozent und damit um 0,2 Prozentpunkte stärker als zunächst angenommen. Die privaten Ausgaben machen zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung aus. Um die Wirtschaft zu stützen, hatte die US-Regierung im Frühjahr Steuerschecks versandt. Das dürfte zumindest zum Teil die höheren Ausgaben der Verbraucher erklären. Experten befürchten allerdings, dass dieser Effekt im zweiten Halbjahr ausläuft.

Die US-Wirtschaft zeigt sich damit deutlich robuster als die Euro-Zone. Hier ging die Wirtschaftsleistung im Frühjahr erstmals seit Beginn der Berechnungen 1995 zurück, viele Experten halten eine Rezession für wahrscheinlich. „Klar ist, dass das zweite Quartal in den USA keine Schrumpfungsperiode war, sondern sogar ziemlich stark“, sagte Michael Eglund, Chefvolkswirt von Action Economics.

Das Platzen einer Immobilienkrise hatte die US-Wirtschaft in Schieflage gebracht und eine weltweite Finanzkrise ausgelöst. Ein Anzeichen dafür, dass die Schieflage am Wohnimmobilienmarkt noch nicht ausgestanden ist, ist die schwache Konjunktur am Bau. So verzeichnete der Wohnbau einen Rückgang um 15,7 Prozent. Seit Monaten gehen die Preise für Wohnimmobilien zurück, zuletzt war der Preisverfall in Ballungsräumen so hoch wie nie.

Die unerwartet guten Daten gaben auch dem deutschen Aktienmarkt Schub. „Die Daten sind besser als erwartet“, sagte HSBC-Volkswirt Stefan Schilbe. „Das ist aber nur ein Strohfeuer, das von dem Konjunkturpaket der US-Regierung ausgelöst wurde.“

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