Zehn Prozent weniger Beschäftigte
Aufträge und Umsatz beim Bau eingebrochen

Das seit Jahren Krisen geschüttelte deutsche Baugewerbe hat auch im ersten Halbjahr einen deutlichen Einbruch bei Aufträgen und Umsatz erlitten. Branchenverbände aus Mittelstand und Industrie deuteten an, ihre Geschäftsprognosen für das laufende Jahr nicht halten zu können.

Reuters BERLIN. In den Monaten Januar bis Juni verbuchte das Bauhauptgewerbe 8,7 % weniger Umsatz und preisbereinigt 13,3 % weniger Neuaufträge als vor Jahresfrist, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Die Betriebe mit 20 oder mehr Beschäftigten hatten im monatlichen Durchschnitt insgesamt 787 000 Mitarbeiter - dies waren 10,5 % weniger als im Vergleichszeitraum. Allein im Juni lagen die Auftragseingänge zwölf Prozent unter dem Niveau des Vorjahres.

Der mittelständische Branchenverband ZDB räumte ein, dass seine Prognose von drei bis vier Prozent weniger Umsatz für 2003 zu optimistisch sein könnte. Auch der Industrieverband HDB sprach von ernüchternden Daten. Sollte es im laufenden Quartal ähnlich schlechte Zahlen wie zuletzt geben, dann werde der Umsatzrückgang mehr als die erwarteten sechs Prozent betragen, sagte ein HDB-Sprecher.

Im Hochbau gingen die Auftragseingänge in der ersten Jahreshälfte um 17,3 %, im Tiefbau um 8,3 % zurück. Der weitgehend mittelständische Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) sprach von enttäuschenden Zahlen. „Es sieht natürlich mau aus“, sagte der Leiter der ZDB-Wirtschaftsabteilung Lutz Uecker. Zunächst halte der Verband aber an seiner Prognose fest. „Wir wollen das momentan nicht aktualisieren“, fügte Uecker hinzu und schränkte zugleich ein: „Aber es deutet sich an, dass wir mit unserer Erwartung optimistischer sind als die Realität dann aussehen wird.“

Die Hoffnung auf eine gewisse Stabilisierung in der Baubranche hat sich auch nach Einschätzung des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB) nicht bestätigt. Trotz der schlechten Halbjahresbilanz hält der Verband an seiner Umsatzprognose für das Gesamtjahr fest. „Wir geben die minus sechs (Prozent) noch nicht so ganz auf“, sagte HDB-Sprecher Heiko Stiepelmann. Positive Effekte könnte es bis Jahresende noch durch den Aufbau nach der Flut in Sachsen oder beim Eigenheimbau geben. Skeptisch äußerte sich Stiepelmann zur Beschäftigung. Es sei nicht mehr auszuschließen, dass die Zahl der Beschäftigten im Jahresdurchschnitt unter 800 000 bleiben werde. Der HDB hatte zuletzt lediglich einen Rückgang der Beschäftigten um rund 60 000 auf 820 000 bis 830 000 vorhergesagt.

Im Juni ging die Baunachfrage den Statistikern zufolge im Hochbau um 17,6 % und im Tiefbau um 5,8 % zurück. Die Umsätze lagen mit rund 7,3 Mrd. € 8 % unter dem Vorjahresniveau.

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