Zentralbank
Bulgarien sieht sich von Angriff auf Banken bedroht

Bulgariens Zentralbank warnt vor Versuchen, gezielt das Bankensystem zu destabilisieren. „Böswillige Gerüchte“ ziehen die Aktienkurse in den Keller. Die Entwicklung weckt schmerzliche Erinnerungen an die 1990er.
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SofiaIn Bulgarien schlagen Regierung und Zentralbank Alarm wegen eines angeblichen Angriffs auf das Bankensystem des Landes. „In den vergangenen Tagen hat es Versuche gegeben, den Staat durch eine organisierte Attacke auf bulgarische Banken ohne Grund zu destabilisieren“, erklärte die Zentralbank am Freitag. Sie rief alle staatlichen Institutionen dazu auf, die Stabilität der Finanzwirtschaft zu schützen. Es seien „böswillige Gerüchte“ über die Lage von Geldhäusern in Umlauf gebracht worden. Nach Angaben von Innenminister Tswetlin Jowtschew sollte die Bevölkerung über das Internet und wahllos verschickte SMS-Nachrichten in Unruhe versetzt werden. Dazu seien am Donnerstag Ermittlungen aufgenommen worden. Über die Hintergründe wurde zunächst nichts bekannt.

Die Regierung des EU-Staats hat Angst vor einem Bankenrun. Ministerpräsident Plamen Orescharski zeigte sich entschlossen, alle erforderlichen Mittel einzusetzen, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. „Wir werden alle Anstrengungen der Zentralbank unterstützen“, machte er deutlich. „Ich sehe keinen Grund zur Sorge für die Bürger.“

In der Hauptstadt Sofia bildeten sich am Vormittag in einigen Bankfilialen Schlangen von etwa 15 bis 30 Kunden vor den Schaltern. Betroffen war die First Investment Bank, die nach Auskunft der Zentralbank ein Hauptziel der Attacke war. „Mir wurde mitgeteilt, dass ich hierher kommen und mein Geld abheben soll“, sagte eine Frau. „Ich hoffe, dass sie uns nicht die Tür vor der Nase schließen.› Ein Banksprecher sagte, es gebe keine Einschränkungen der Geschäfte.

Vergangene Woche hatten Medienberichte über angebliche zweifelhafte Geschäfte des viertgrößten bulgarischen Geldhauses Corporate Commercial Bank (Corpbank) zu Kontenauflösungen geführt. Die Zentralbank sah sich gezwungen, die Kontrolle über Corpbank zu übernehmen. An der Börse fürchteten Investoren, dass auch andere Institute in den Strudel hineingezogen werden und trennten sich nun wie bereits am Donnerstag in Scharen von Bankaktien. First Investment etwa brachen um rund ein Viertel ein.

Die Entwicklung weckt schmerzliche Erinnerungen an den Zusammenbruch des Bankensektors in Bulgarien in den 1990er Jahren, als 14 Institute pleitegingen. Sie setzt ferner Orescharskis Minderheitsregierung zusätzlich unter Druck, die bereits mit einer schwachen Konjunktur und einem Rückgang der Investitionen aus dem Ausland zu kämpfen hat. Wegen der anhaltenden politischen Probleme hatte die Ratingagentur Standard & Poor's das Land unlängst herabgestuft. Die Bewertung liegt nun nur noch eine Stufe vom Ramsch-Status entfernt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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