Zentralregierung will heiß gelaufene Konjunktur dämpfen
Provinzfürsten spüren wenig von Bremsversuchen aus Peking

Der Bremsweg für den wirtschaftlich heiß gelaufenen Supertanker China wird lang sein. Die Propaganda staatlicher Medien und die tatsächliche Lage in den Provinzen könnten nicht weiter auseinander liegen. Während sich die Regierung bemüht, die Konjunktur zu dämpfen, halten die Politiker in der Provinzen an ihren Wachstumsplänen fest.

PEKING. Ministerpräsident Wen Jiabao, übte sich noch zu Beginn dieser Woche bei seinem Auftritt vor dem China-Britain Business Council darin, gute Stimmung zu erzeugen: Wen freute sich öffentlich darüber, dass die Terminkontrakte auf Eisenerz und die Preise für gerollten Stahl nach einem Interview, das er der Nachrichtenagentur Reuters Ende April gegeben hatte, auf das Niveau von Oktober zurück gefallen seien. Immerhin sanken die Preise für Stahl im Bausektor seit März tatsächlich um 17 %, hat Chinas Entwicklungs- und Reformkommission errechnet. Chinas Chinas Medien werten dies prompt als Beleg für erste Erfolge der restriktiven Konjunkturpolitik. Sie sprechen vom „Wen-Effekt“.

Auch Analysten wie die für Wertpapiere im Großraum China zuständige Jing Ulrich bei der Deutschen Bank in Hongkong sehen erste Erfolge der Bremsmanöver und wiegeln die düsteren Vorhersagen mancher Volkswirte über eine harte Landung der boomenden Konjunktur ab: „Zuerst ist das Kreditvolumen gesunken, dann die Geldmenge, schließlich wird nur noch mäßig investiert. Wenn diese Faktoren unter Kontrolle sind, ist das Risiko einer platzenden Blase in Chinas Wirtschaft sehr gering geworden.“

Doch zahlreiche Äußerungen von Managern und Politikern in Chinas Provinzen sowie der Notenbank ( People´s Bank) mahnen zu Vorsicht und Geduld. Als „ausreichend“ bezeichnete die Notenbank die ergriffenen Maßnahmen in einem Bericht für das erste Quartal 2004. Allerdings erwartet sie auch im zweiten Quartal eine weiter wachsende Produktion, höhere Investitionen sowie steigende Inflation. Erst ab der Jahresmitte dürfte das Wachstum etwas nachlassen. Denn die bereits laufenden Projekte werden schwer zu stoppen sein, was das Wachstum der Anlageinvestitionen einige Zeit relativ hoch halten wird, so das Eingeständnis.

Die People´s Bank hat vorsorglich eine „angemessen restriktive" Geldpolitik angekündigt. Sie hat seit August 2003 schon drei Mal die Reserveanforderungen der Banken verschärft. Zuletzt drosselte die Regierung die Kreditvergabe an Sektoren wie Immobilien, Stahl und Zement. Zudem überprüfte sie große Investitionsprojekte, beschränkte den Landverbrauch und führte neue Preiskontrollen ein.

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