ZEW-Barometer
Konjunkturerwartungen positiv wie lange nicht

Finanzexperten sehen mittelfristig erstmals eine Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Situation. Das vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim ermittelte Konjunkturbarometer erreichte im April erstmals seit Juli 2007 wieder den positiven Bereich. Eine Wende hin zu dynamischem Wachstum zeigen die Daten aus Ökonomen-Sicht jedoch noch nicht an.

HB MANNHEIM. Die Börsenexperten in Deutschland blicken wieder mit mehr Zuversicht auf die Konjunktur. Das ZEW-Barometer verbesserte sich überraschend deutlich auf plus 13,0 Punkte von minus 3,5 Zählern im Vormonat, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mitteilte. Dies ist der höchste Stand seit Mitte 2007. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einem Anstieg auf plus 1,5 Punkte gerechnet.

Grund für den gestiegenen Optimismus sei die Aussicht auf das Ende der konjunkturellen Talfahrt angesichts der Konjunkturpakete und der geringen Inflation, erklärte das ZEW. "Sogar eine zaghafte Belebung in der zweiten Hälfte des Jahres wird wahrscheinlicher", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz.

Die aktuelle Lage beurteilten die Experten dagegen erneut negativer. Der Teilindex verschlechterte sich auf minus 91,6 Punkte von 89,4 Zählern im Vormonat.

Ökonomen warnten in ersten Reaktionen davor, die ZEW-Daten überzubewerten. Vor allem das sehr tiefe Niveau der Lagebeurteilung deute darauf hin, dass die realen Entwicklungen zunächst noch sehr schwach seien, sagte Ralf Umlauf von der Helaba. "Der Mittelwert aus Lagebeurteilung und Konjunkturerwartung legt zu und gibt damit eine positive Indikation für den kommenden Ifo-Geschäftsklimaindex am Freitag."

Auch Andreas Rees von der Unicredit gab zu bedenken, dass mit einem Anstieg bei den Erwartungen gerechnet worden sei. "Das Ausmaß hat allerdings überrascht", fügte der Ökonom hinzu. "Auslöser für die verbesserte Stimmung dürfte die Hoffnung sein, dass die fiskalpolitischen Maßnahmen zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise greifen werden", erklärte Rees. "Man kann klar die Botschaft herauslesen, dass die Rezession spätestens im Herbst 2009 zu Ende gehen wird." Die Investoren sähen allmählich Licht am Ende des Tunnels.

Gerd Hassel von der BHF-Bank, wies auf die Einseitigkeit des ZEW-Barometers hin. Das Problem sei, dass die Befragten Finanzanalysten sind. "Die orientieren sich möglicherweise an den Wachstumsprognosen aus dem eigenen Haus." Gleichwohl geht auch Hassel davon aus, dass Deutschland "das Allerschlimmste wahrscheinlich mit dem ersten Quartal" hinter sich habe. "Danach werden wir aber nicht unbedingt positive Wachstumsraten sehen, das Schrumpfen wird sich mindestens noch bis ins nächste Jahr hinein halten", unterstrich der Ökonom.

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