ZEW-Index

Konjunkturerwartungen brechen ein

Das wichtige ZEW-Konjunkturbarometer ist auf den tiefsten Stand seit Dezember 2008 gefallen. Der Rückgang war damit noch deutlich stärker als von Analysten erwartet.
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Bauarbeiter auf einer Baustelle in Berlin-Mitte. Quelle: dapd

Bauarbeiter auf einer Baustelle in Berlin-Mitte.

(Foto: dapd)

MannheimDie mittelfristigen Konjunkturerwartungen von Finanzanalysten und institutionellen Investoren sind im August massiv gefallen. Der entsprechende Index sank von minus 15,1 Punkten im Juli auf minus 37,6 Punkte, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim mitteilte. Experten hatten mit einem Rückgang auf minus 26,0 Punkte gerechnet. Auch die Lage schätzten die Börsenexperten nicht mehr so rosig ein. Dieser Index fiel unerwartet deutlich um 37,1 Punkte auf 53,5 Zähler. Für die Euro-Zone sanken die Erwartungen um 33,0 Punkte auf minus 40,0 Punkte. Der Indikator für die aktuelle Lage verschlechterte sich um 21,4 Punkte auf minus 19,1 Punkte.

Der ZEW-Konjunkturindex gilt als ein wichtiger Stimmungsindikator der deutschen Wirtschaft. Befragt werden monatlich rund 300 Analysten und institutionelle Anleger.

„Die bisher schon geäußerte Skepsis der Finanzmarktexperten bezüglich der künftigen konjunkturellen Entwicklung hat sich dramatisch verstärkt“, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Die Angst vor einer Rezession in den USA habe die Unsicherheit ebenso erhöht wie die Herabstufung der Kreditwürdigkeit amerikanischer Staatsanleihen. Hinzu kämen die Schuldenkrise in Europa und der Wachstumseinbruch der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal. Das Bruttoinlandsprodukt hatte nur um 0,1 Prozent zugelegt, nachdem es zu Jahresbeginn noch 1,3 Prozent waren.

Die meisten Experten befürchten derzeit aber keine Rezession „Dem weniger günstigen außenwirtschaftlichen Umfeld steht die noch immer sehr gefestigte Binnenkonjunktur gegenüber“, schrieb etwa die Bundesbank in ihrem Monatsbericht. Diese speise sich insbesondere aus der hohen Investitionsbereitschaft der Unternehmen, der kräftigen Nachfrage im Wohnungsbau und der sinkenden Arbeitslosigkeit. Die Bundesbank erwartet deshalb in diesem Jahr nach wie vor ein Wachstum von drei Prozent. 2010 waren es 3,7 Prozent.

Der Markit-Einkaufsmanagerindex für Deutschland, dessen Daten am Dienstagmorgen veröffentlicht worden waren, hatte ein vorläufiges Ende des Abwärtstrends für die Industrie signalisiert. Dagegen trübte sich der Ausblick für die Dienstleister weiter ein.

Exporte sollen trotzdem stark wachsen
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21 Kommentare zu "ZEW-Index: Erwartungen der Finanzexperten brechen ein"

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  • ZEW ist ein (stark schwankender) Stimmungsbarometer der Finanzmarktteilnehmer. Daß der nach den Vorgängen der letzten Wochen nicht gerade gut ausfallen kann ist wohl keine Überraschung.
    Man kann und sollte ihm daher wohl nicht all zu viel Bedeutung beimessen.

  • verehrter Herr Paradigma,
    habe ich mir gerade angesehen.
    nette Schleichwerbung

    aber wie mein Opa immer schon sagte
    es gibt Fachleute, die gehen in die Wirtschaft
    und es gibt Wissenschaftler.

    Man muss keinen Dr. haben, um zu erkennen, dass wir am dt. Großenwahn wieder scheitern werden.

    Die Geschichte wiederholt sich
    und was Hitler mit der Wehrmacht versucht hat (und zum glück gescheitert ist)
    versuchen unsere Politiker gerade mit dem Euro.

    Auf Kosten unserer Zukunft.

    Was uns bleibt, ist ein zerbomtes Finanz und Wirtschaftssystem.

  • @PRhodan - danke für ihren Beitrag, äusserst lesenswert!

  • "ich schau mir lieber weiter den dax an, dann weiß ich wie sich die konjunktur in 6-9 monaten entwickeln wird."

    hat sich in der Vergangenheit wohl bewahrheitet:
    http://www.spiegel.de/images/image-245529-galleryV9-ijqf.jpg

    ... und wenn man sich den DAX-chart dann einmal ansieht,
    müsste man wohl oder übel zum selben Ergebnis kommen wie die "Finanzexperten":
    http://www.finanzen.net/index/DAX/Charttool#

    ... sind zwar nur stupide Erfahrungswerte;
    aber: wenn heute noch das gilt, was gestern galt,
    kann man so "argumentieren".



  • Schade ist nur, dass fast alle Menschen, die mitsprechen wollen, meist keine substanziellen Kenntnisse des Systems haben. Schuld daran ist auch die dogmatische Pseudowissenschaft, die die Unkenntnis weiter verbreiten muss. Die Wissensmanufaktur.net ist das einzige Institut, welches genau diese Paradigmen beleuchtet und Lösungen anbietet, die einfach, logisch und verständlich sind. Allerdings muss die Reset-Taste gedrückt werden.

  • "aussagekräftigere Indikatoren" a-ha ... welche denn?

    Die mir bekannten haben nämlich alle einen "Buckel" -> das kurze Hoch durch die Konjunkturpakete ist vorbei - die Sparmaßnahmen der Nationalstaaten führen direkt in die Rezession.

    q.e.d.

  • die Finanzexperten haben einen Rechenfehler gemacht!
    Deutschland hat immer XXXL - Aufschwung
    Pasta würde Schröders, Gerd sagen.

  • Stimmt genau! Die Franzosen haben ja seit Sommer 2010 eher geschwächelt, aber jetzt rechtzeitig vor dem Debakel die Aktienquote durch Absicherungen über Terminmärkte rechnerisch auf fast Null gefahren. Das ist wahre Größe im Asset Mamagement! Diese Instrumente stehen den Damen und Herren von Fidelity, Templeton, DWS, Deka (die wissen wahrscheinlich gar nicht, worum es dabei geht) usw. auch zur Verfügung. Aber sie nutzen die Instrumente nicht oder nicht konsequent. Und so werden das 3. Mal innerhalb weniger Wochen die Gewinne von Jahren pulverisiert. Getreu der angelsächsischen Investmentphilosophie, der Kunde will einen z. B. deutschen Aktienfonds, dann bekommt er ihn auch, Tagesgeld kann er alleine. Und dann fällt der Fonds um 39 % die Benchmark aber um 40 %, Folge: es gibt auch Performancefee für die KAG, der Fondsmanager ist der Größte, die Headhunter rufen an usw. Und der arme Anleger? Sagt, nie wieder, dann doch besser die von Merkel garantierten Sparbücher. Dass die DWS mal wieder überrascht wurde, lässt sich gut an der Langfristperformance ehemaliger Flagship-Fonds wie DWS Vermögensbildungsfonds I ablesen.
    Sie können es nicht, werden das aber niemals zugeben!

  • toll, ganz großes kino!!!
    die geschwätzigen, nichtsnutzigen und überbezahlten “finanzanalysten“, die den 25% drop im dax nicht analysiert und auch nicht auf der rechnung hatten, geben jetzt wieder ihre mtl. konjunktureinschätzung ab.
    wäre es doch mal eine self-fulfilling prophecy.
    ich schau mir lieber weiter den dax an, dann weiß ich wie sich die konjunktur in 6-9 monaten entwickeln wird.

  • Was intressieren mich denn Finanzmarktexperten.. hier will man eine Rezession herbeireden die aber nicht kommen wird. Ich verlasse mich da auf aussagekräftigere Indikatoren.

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