ZEW-Index fällt auf 20,1 Punkte
Sorgen um Konjunkturerholung nehmen zu

Die Furcht vor einem spürbaren Abflauen des weltweiten Aufschwungs belastet zunehmend die Aussichten für die deutsche Wirtschaft.

BERLIN/MANNHEIM. Die Konjunkturerwartungen an den Finanzmärkten knickten im April ein, wie die Umfrage des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigte: Das ZEW-Konjunkturbarometer rutschte im April um gut 16 Zähler auf 20,1 Punkte und damit wieder unter seinem langjährigen Durchschnitt von 34,4 Punkten. Schon seit Jahresanfang befinden sich die Wachstumsprognosen von Ökonomen im Sinkflug: In der ebenfalls am Dienstag veröffentlichten Reuters-Quartalsumfrage prognostizierten die Ökonomen im Mittel nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,8 % in diesem Jahr.

„Der Ölpreis und die Abschwächung bei den US-Indikatoren haben ihre Spuren in der deutschen Wirtschaftsstimmung hinterlassen“, kommentierte Holger Schmieding von der Bank of America den ZEW-Indikator. Allerdings warnte der Ökonom wie viele seiner Kollegen vor Panikmache: „Das bedeutet nicht, dass wir auf eine Rezession oder etwas ähnliches zusteuern.“ Am Montag hatte die Sorge um die Weltkonjunktur zu einem Kursrutsch am deutschen Aktienmarkt geführt. Der unerwartet starke Rückgang des ZEW-Indikators bremste am Dienstag die leichte Erholung des Deutschen Aktienindex.

Wegen der sich abzeichnenden nachlassenden Dynamik der Weltwirtschaft erwartet das ZEW mittelfristig in Deutschland eine leichte Abschwächung der Konjunkturerholung. „Ohne Fortsetzung des Reformkurses will sich das Vertrauen in eine nachhaltige Konjunkturerholung nicht einstellen“, warnte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. In der ZEW-Umfrage bewerteten die rund 300 befragten Analysten und institutionellen Anleger auch die aktuelle Wirtschaftslage schlechter.

Auch das designierte Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), Lorenzo Bini Smaghi, forderte Reformen zur Stärkung des Wirtschaftswachstum in Europa. „Die Aufgabe der Geldpolitik ist, dem Wachstum zu helfen, aber in dem Ausmaß, dass die Inflation nicht über zwei Prozent steigt“, erteilte Bini Smaghi allen Forderungen nach konjunkturstützenden Zinssenkungen bei seiner Anhörung vor dem Europäischen Parlament eine Absage. Hauptgefahr für die Konjunktur sei der hohe Ölpreis, dessen Wirkung auf Unternehmens- und Verbrauchervertrauen bislang womöglich unterschätzt worden sei.

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