ZEW-Index
Finanzmärkte sehen schwarz für 2007

Die Erhöhung der Mehrwertsteuer wirft ihre Schatten voraus: Die mittelfristige Konjunkturprognose der Finanzmarktexperten für Deutschland hat sich im August massiv eingetrübt: Erstmals seit 2001 ist der ZEW-Index auf einen negativen Wert gefallen. Anleger und Analysten sehen für 2007 dunkle Wolken aufziehen.

HB MANNHEIM. Der Saldo der Konjunkturerwartungen der rund 300 monatlich befragten Analysten und institutionellen Anleger sei im August auf minus 5,6 von plus 15,1 Punkten gesunken, teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mit. Der Index fiel den siebten Monat in Folge und erreichte den niedrigsten Stand seit Juni 2001. Im negativen Bereich hatte das Konjunturbarometer zuletzt im Juli 2001 notiert.

Damit lagen auch von diversen Nachrichtenagenturen befragte Analysten und Bankvolkswirte falsch, die mit einem ZEW-Index für August von 10,3 bis 12,0 Punkte gerechnet hatten. „Die Entwicklung des Indikators signalisiert eine deutliche Abkühlung der konjunkturellen Entwicklung auf Sicht von sechs Monaten“, erklärte das ZEW. Grund dafür sei, dass sich Export, Konsum und Investitionen abschwächen könnten.

Sorge um den Konsum

Das ZEW und viele Volkswirte begründeten den Rückgang mit der 2007 anstehenden Mehrwertsteuererhöhung: „Viele Leute ziehen wegen der anstehenden Mehrwertsteuererhöhung ihren Konsum vor“, sagte ZEW-Experte Matthias Köhler. „Es ist für die Wirtschaft immens wichtig, dass der Konsum seine tragende Rollen behält“, sagte Köhler. Die Aussichten für die weltweite Wachstumslokomotive USA trübten sich weiter ein. Der ZEW-Erwartungsindikator fiel hier um 5,4 auf minus 55,7 Zähler.

Der Index für die aktuelle Konjunkturlage stieg allerdings auf 33,6 Punkte, nachdem im Juli ein Stand von 23,3 gemeldet worden war. Die Konjunkturerwartungen für die Eurozone verschlechterten sich nach Angaben des ZEW auf 1,3 (Juli: 18,1) Punkte, der Index für die aktuelle Lage wurde mit 34,9 (25,9) angegeben.

Der Zenit ist wohl überschritten

Die deutsche Wirtschaft war im Frühjahr um 0,9 Prozent gewachsen und damit so stark wie seit rund fünf Jahren nicht mehr. Viele Experten gehen davon aus, dass der Aufschwung seinen Höhepunkt bereits überschritten hat. Diese Ansicht bekräftigte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. „Die Lage ist aber weiter sehr gut, die Inlandsnachfrage ist angesprungen.“ Die Unternehmen dürften deshalb nicht ganz so pessimistisch sein, erwartet sie mit Blick auf das am Donnerstag anstehende Ifo-Geschäftsklima. „Die Diskrepanz zwischen Ifo und ZEW wird anhalten.“ Ähnlich äußerte sich Gerd Haßel von der BHF-Bank.

Der Aktienindex Dax verlor leicht nach der Daten-Veröffentlichung, auch der Euro gab zum Dollar etwas nach. Der für die europäischen Rentenmärkte richtungweisende Bund-Future baute seine Gewinne dagegen aus und notierte 40 Ticks höher bei 117,70 Punkten. nachdem er zuvor nur leicht im Plus gelegen hatte. „Wenn wir jetzt auch noch einen schwachen Ifo-Index bekommen, dann könnten Zinserhöhungserwartungen für Euroland abebben“, sagte HelabaTrust-Analyst Ulrich Wortberg.

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