ZEW-Index für April
Konjunkturerwartungen überraschend gesunken

In Deutschland haben sich die Konjunkturerwartungen von Anlegern und Analysten den dritten Monat in Folge eingetrübt. Experten warnen jedoch vor übertriebenem Pessimismus.

HB MANNHEIM. Das Stimmungsbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ging im Vergleich zum Vormonat um 0,7 Punkte auf 62,7 Punkte zurück. Damit liegt der Index aber weiter deutlich über seinem historischen Mittelwert von 35,3 Zählern. „Die Erwartungen der Finanzmarktexperten stagnieren, wenn auch auf hohem Niveau“, erklärte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Anstieg des Erwartungsindikators auf 65,0 Punkte und einem Lagesaldo von minus 5,0 Punkten gerechnet.

Einen negativen Einfluss hätten Risikofaktoren wie der hohe Ölpreis und eine Abschwächung der Weltkonjunktur gehabt. An der Umfrage beteiligten sich 316 Analysten und institutionelle Anleger. Die Auftragseingänge - vor allem im Baugewerbe und im Automobilsektor - haben sich dagegen dem ZEW zufolge positiv auf den Indikator ausgewirkt; sie signalisierten einen fortgesetzten Aufwärtstrend der deutschen Investitionsgüterkonjunktur.

Die aktuelle Wirtschaftslage beurteilten die Experten sogar günstiger als im Vormonat, der entsprechende Indikator stieg auf plus 2,9 von minus 8,4 Punkten. Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Lagesaldo von minus fünf Punkten gerechnet. Der Saldo der Konjunkturerwartungen für die Euro-Zone sank um 2,4 Punkte auf 58,7 Zähler, der Lageindex stieg aber auch hier an: Um gut 12 Punkte auf 14,3 Zähler.

Die ersten Reaktionen der Volkswirte zum ZEW-Index:

David Brown, Bear Stearns: „Der dritte Rückgang des ZEW in Folge bedeutet zwangsläufig eine Enttäuschung für die Aufschwungshoffungen in Deutschland und der Euro-Zone. Das weckt Zweifel an der Nachhaltigkeit einer stärkeren Erholung, besonders, weil sich die Märkte wegen der Mehrwertsteuererhöhung über die Aussichten für 2007 zu sorgen beginnen. Diese könnte bis zu einem Prozentpunkt vom möglichen Wachstum in Deutschland kosten.

Nach der ganzen Euphorie in Folge von Merkels Wahlsieg kehrt nun ein wenig mehr Realismus ein, was den steinigen Weg zu mehr Wachstum betrifft. Die Wirtschaftsstimmung ist allgemein ziemlich gut, aber das schwächste Glied in der Kette bleibt der flaue Konsum, belastet von der weiter hohen Arbeitslosigkeit. Da die EZB recht kämpferisch klingt, was höhere Zinsen angeht, und die Finanzpolitik restriktiver wird, könnte die Erholung mittelfristig auf unfruchtbarem Boden landen.“

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