ZEW-Index
Konjunkturbarometer fällt auf niedrigsten Stand seit Ende 2008

Finanzexperten bewerten die Aussichten der deutschen Wirtschaft so schlecht wie lange nicht mehr. Der Index des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung fiel auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2008.
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Mannheim/BerlinAnleger und Analysten schätzen die Aussichten für die deutsche Wirtschaft so schlecht ein wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Die ZEW-Konjunkturerwartungen fielen im September um 5,7 Punkte auf minus 43,3 Punkte. „Ein noch niedrigerer Wert wurde zuletzt im Dezember 2008 verzeichnet“, teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner Umfrage und rund 300 Börsenexperten mit. Von Reuters befragte Analysten hatten sogar einen Rückgang auf minus 45,0 Punkte erwartet.

Auch die Lage wird nicht mehr so rosig eingeschätzt: Dieser Index fiel um 9,9 auf 43,6 Zähler. Die Schuldenkrise in Europa sowie die Angst vor einer weiteren Abschwächung der Weltkonjunktur hätten die Börsenprofis verunsichert, hieß es. „Die künftige Konjunkturentwicklung ist von hoher Unsicherheit geprägt, die die Stimmung von Investoren und Konsumenten nach Ansicht der Finanzmarktexperten eintrübt“, sagte
ZEW-Präsident Wolfgang Franz.

Analysten hatten eine Verschlechterung des Index bereits erwartet und reagierten gelassen. „Der ZEW-Index ist kein großer Aufreger. Wachstumsabkühlung 'is the name of the game', und hier in Deutschland stehen wir da ja noch ganz ordentlich da. Da trifft es große Volkswirtschaften wie Japan, USA oder Großbritannien deutlich stärker," sagt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

Sein Kollege Ulrich Wortberg sieht im ZEW-Index auch ein schlechtes Vorzeichen für die Zahlen zum ifo-Geschäftsklimaindex, die Anfang nächster Woche veröffentlicht werden.

„Die Umfrage steht unter dem Einfluss getrübter Konjunkturaussichten und anhaltender Unsicherheiten in Bezug auf die EWU-Schuldenkrise. Zwar hat sich der Rückgang der Erwartungen aufgrund des
bereits tiefen Niveaus nicht weiter beschleunigt, die kräftige Reduzierung der Lagebeurteilung liefert aber für den ifo-Geschäftsklimaindex, eine negative Indikation,“ sagte Ulrich Wortberg von der HeLaBa.

Jörg Zeuner von der VP Bank sieht nach wie vor eine starke Diskrepanz zu den harten Konjunkturdaten. „Die harten Konjunkturdaten zeigen bisher zwar kaum Rückschläge an - die Industrieproduktion hat im Juli einen neuen Höchststand erreicht. Anleger und Wirtschaftsakteure agieren angesichts fehlender Lösungen für die Schulden- und Eurokrise aber orientierungslos - mit möglichen negativen Rückkoppelungen für Wirtschaft und Banken,“ sagte er.

Im zu Ende gehenden Sommerquartal halten die meisten Experten ein kräftiges Wachstum von einem halben Prozent und mehr für möglich, nachdem es im Frühjahr wegen sinkender Konsumausgaben nur zu einem Plus von 0,1 Prozent gereicht hatte. Nach Prognose der Industriestaaten-Organisation OECD könnte das Bruttoinlandsprodukt am Jahresende dann erstmals seit Anfang 2009 wieder schrumpfen.

Für das Gesamtjahr halten die meisten Institute noch ein Wachstum von knapp drei Prozent für möglich. Das Kieler IfW und das IWH Halle erwarten für 2012 nur noch ein Plus von 0,8 Prozent, weil die Schuldenkrise in Europa und die schlappe US-Konjunktur die Nachfrage nach deutschen Waren dämpfen dürften.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • http://www.youtube.com/watch?v=igJZtYUdJsM

  • Staatliche Konjunkturprogramme auf Pump finanziert, welche Kosten der Programme dann letzten Endes doch wieder der Steuerzahler trägt.
    Entweder durch Lohnverzicht (Kurzarbeit) oder durch Steuererhöhungen / Abgabenerhöhungen.
    Die 2500 € Abwrackprämie wurden nicht verschenkt, sondern werden auf anderem Wege wieder zurückgeholt.
    Der Dumme ist immer der Bürger, der denkt, er hat ein besonders tolles Schnäppchen auf der Jagd nach immer neuen Rabatten geschossen.
    Das er am Ende die Zeche wieder mal selber bezahlt, kommt ihm nicht in den Sinn.
    War doch klar, dass das dicke Ende kommt!
    Die global erzeugte fiskalpolitische Verschuldungsmegablase steht kurz vor der Kernschmelze und wird uns sowas von um die Ohren fliegen, das so mancher der Entscheidungsträger seinen Kopf dabei verlieren wird. Es ist davon auszugehen, daß der dann wütende Mob dafür Sorge trägt, das die für das Desaster Vertantworlichen, nicht ungeschoren davonkommen werden.

  • Und noch so eine Falschmeldung:

    The Corporate Bank Run Has Started: Siemens Pulls €500 Million From A French Bank, Redeposits Direct With ECB

    Nun hat auch die Industrie kein Vertrauen mehr zu den Banken, aber der deutsche Michel wähnt seine Sparguthaben als Sicher! Mals sehen in ein paar Tagen, ob er das immer noch glaubt?

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