ZEW-Index
Konjunkturerwartungen sinken weiter

Einer Umfrage des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zufolge schätzen die Finanzmärkte die deutsche Konjunkturentwicklung mit deutlich zunehmender Skepsis ein. Vor allem der jüngste Euro-Anstieg dämpft die Erwartungen der Analysten.

HB BERLIN. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zog am Dienstag als Fazit aus seiner November-Umfrage unter rund 300 institutionellen Anlegern und Analysten: „Die Experten gehen von einer Wachstumsverlangsamung bis Mai nächsten Jahres aus.“ Der Anteil der Konjunktur-Optimisten lag nur noch um 13,9 %punkte über dem der Pessimisten und damit auf dem tiefsten Stand seit Ende 2002. Im Oktober hatte der Saldo der Konjunkturerwartungen noch 31,3 Punkte betragen. „Der Trend geht nach unten“, sagte Andreas Scheuerle von der Dekabank. Das Wirtschaftsministerium warnte dagegen davor, den Rückgang des ZEW-Index überzubewerten.

Analysten hatten im Schnitt nur einen Rückgang des ZEW-Indikators auf 30 Punkte vorhergesagt. „Das war ein deutlicher Absturz und eine ziemliche Überraschung“, sagte Jens-Oliver Niklasch, Konjunktur-Experte der Landesbank Baden-Württemberg. Etwas besser als erwartet fiel allerdings die Einschätzung der gegenwärtigen Lage aus. Hier stieg der Saldo leicht um 1,1 Punkte auf minus 57,8 %. In der Reuters-Umfrage war mit minus 58,0 % gerechnet worden.

Der Aktienmarkt reagierte gelassen auf den ZEW-Index. Der Deutsche Aktienindex (Dax) notierte um seinen Vortagesschluss.

„Die Gründe für den spürbar gestiegenen Pessimismus liegen in der erwarteten weltwirtschaftlichen Abkühlung und der jüngsten stärkeren Aufwertung des Euro, die den deutschen Außenhandel belasten dürften“, erklärte das ZEW. In Verbindung mit der weiter schwächelnden Binnennachfrage und dem hohen Ölpreis erwarteten die Experten daher mittelfristig eine Abkühlung der deutschen Konjunktur. Der Euro ist seit Anfang September um rund sechs Prozent zum Dollar gestiegen. Dadurch verteuern sich deutsche Waren im Dollar-Raum. Die Ölpreise haben seit Jahresanfang um etwa 50 % zugelegt.

Jörg Krämer von Invesco Asset Management sagte, der Ölpreis sei zwar gegenüber Oktober gefallen und die Aktienkurse seien gestiegen. Mittlerweile realisierten die Anleger aber die seit Jahresanfang angehäuften schlechten Nachrichten, insbesondere das hohe Ölpreisniveau. Jetzt wollten alle schnell das Lager der Optimisten verlassen: „Diese Dynamik ist typisch für einen einsetzenden Abschwung.“ DekaBank-Analyst Scheuerle sagte, neben dem Euro-Anstieg dämpften auch die gefallenen Frühindikatoren für die Weltwirtschaft die Erwartungen: „Das belastet den Export als unser Hauptstandbein bei der Wirtschaftserholung.“

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