ZEW-Index
Subprime-Krise trübt Konjunkturerwartung

Der ZEW-Konjunkturindex hat zum zweiten Mal seit Beginn der Subprime-Krise deutlich nachgegeben und ist nun von seinem historischen Mittelwert weit entfernt. Die dafür befragten Analysten und Vertreter institutioneller Anleger halten ein Überschwappen auf die deutsche Wirtschaft nicht für ausgeschlossen und einige Branchen für besonders gefährdet.

HB MANNHEIM/ESSEN. Wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung am Dienstag mitteilte, ging der Konjunkturerwartungs-Index im September auf minus 18,1 Punkte zurück. Im August waren noch minus 6,9 Punkte ausgewiesen worden. Der historische Mittelwert des Konjunkturbarometers liegt bei plus 32,4 Punkten. Der Rückgang im September fiel noch stärker aus als erwartet: Von Nachrichtenagenturen befragte Experten hatten minus 17,0 Punkte vorhergesagt. Auch die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage verschlechterte sich im September. Der entsprechende Indikator sank um 5,8 Punkte auf 74,4 Punkte.

Das ZEW berichtete, die Finanzmarktprofis rechneten durch einen Wachstumseinbruch in den USA infolge der Immobilien- und Kreditkrise damit, dass sich die Exportaussichten deutscher Unternehmen verminderten. Verstärkt werde diese Entwicklung durch die Schwäche des US-Dollars gegenüber dem Euro. Innerhalb der deutschen Branchen würden sich voraussichtlich die Banken, die Versicherungen und das Baugewerbe schwächer als bisher entwickeln. Den Konsum stuften die Marktauguren dagegen als weitgehend robust ein.

ZEW-Präsident Wolfgang Franz verwies darauf, dass die fundamentalen Daten für Deutschland nach wie vor gut sind. Eine zusätzliche Gefahr für das Konjunkturklima stellten jedoch Besorgnisse der Kapitalanleger dar. Das ZEW hat für den aktuellen Index nach eigenen Angaben vom 3. bis zum 17. September 2007 304 Analysten und institutionelle Anleger befragt.

An den Märkten sorgten die Neuigkeiten aus Mannheim allerdings nicht für große Kursbewegungen. „Er lag doch zu dicht an den Erwartungen“, sagte ein Händler mit Blick auf den Index. Die Prognose sei nur leicht unterschritten worden. „Das spiegelt ja nur die Ängste der befragten Finanzanalysten“, so der Händler weiter. Der Index dürfte damit keine Rolle mehr am Markt spielen.

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Wegen der Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten schraubte am Dienstag zudem das Essener Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) seine Konjunkturprognose für 2008 herunter. Das Wachstum in Deutschland dürfte sich aber lediglich abschwächen, hieß. Für das laufende Jahr rechnet das RWI unverändert mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent. Für 2008 sagen die Wissenschaftler nur noch ein Plus von 2,3 Prozent voraus; im Juni hatten sie noch 2,6 Prozent prognostiziert. Die RWI-Experten verweisen jedoch darauf, dass diese Steigerungsraten wesentlich von Überhängen und Kalendereffekten beeinflusst sind. Bereinigt um diese Effekte liegt laut RWI der BIP-Anstieg 2007 bei 2,2 Prozent und 2008 bei 1,6 Prozent.

In seiner Prognose geht das RWI aber davon aus, dass die Hypotheken-Probleme beherrscht werden können und es nicht zu einer Rezession in den USA kommt. Allerdings würden dadurch die Weltwirtschaft etwas schwächer expandieren und sich die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen verschlechtern.

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