ZEW-Indikator gesunken
Wirtschaftsexperten bleiben trotz ZEW-Index optimistisch

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, sieht – offenbar im Gegensatz zu den Finanzmarktexperten - „die Bedingungen für einen anhaltenden Aufschwung positiv, auch für nächstes Jahr“. Für den BDI ändert der jüngste Ölpreisanstieg nichts an seiner Wachstumsprognose von bis zu zwei Prozent in diesem Jahr.

ari DÜSSELDORF. Im Gegensatz zu vielen Forschungsinstituten und Banken hält Thumann auch 2007 eine Beschleunigung des Wachstums für möglich - viel hänge aber von den Fortschritten bei den Reformen durch die Bundesregierung ab. Die Finanzmarktexperten sind in dieser Hinsicht skeptisch: ZEW-Präsident Wolfgang Franz bewertete den Rückgang des Indikators seines Instituts als „deutliches Zeichen, dass die bisherige Reformpolitik den Erwartungen nicht gerecht werden konnte“.

Trotz des jüngsten Ölpreisanstiegs ist auch das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) verhalten optimistisch. Es erhöhte gestern seine Wachstumsprognose für 2007 um einen Viertelprozentpunkt auf 1,0 Prozent. Für 2006 erwarten die Hamburger Konjunkturforscher jetzt 1,6 Prozent. Ausschlaggebend für die Abschwächung im nächsten Jahr sei die restriktive Finanzpolitik, die vor allem den privaten Konsum bremse. Dabei geht das HWWA davon aus, dass der Ölpreis wieder zurückgeht und im kommenden Jahr bei etwa 65 Dollar je Barrel liegt.

Wie für BDI-Präsident Thumann birgt gerade der Ölpreis aber auch für die HWWA-Forscher ein hohes Risiko. Halte er sich über 75 Dollar oder steige gar weiter, sei mit einer schlechteren Konjunkturentwicklung und eventuell stärkeren Leitzinsanhebungen zu rechnen als bisher prognostiziert. Entscheidend sind dabei die Erwartungen der Unternehmen und Verbraucher. „Wichtig für die Realwirtschaft wird sein, wie schnell die Investoren und Konsumenten den jetzigen Ölpreisanstieg als dauerhaft ansehen“, sagte der Konjunkturchef des Münchener Ifo-Instituts, Gebhard Flaig, dem Handelsblatt.

Näheren Aufschluss über die Erwartungen der Wirtschaft und der Verbraucher im Juli werden Ifo-Geschäftsklima und GfK-Konsumklima liefern, die in der nächsten Woche veröffentlicht werden. Nach Einschätzung der meisten Bankvolkswirte ist bei den Unternehmenserwartungen allerdings nicht mit so einem starken Einbruch zu rechnen wie bei den vom ZEW befragten Finanzmarktexperten. „Finanzinvestoren achten mehr als Unternehmen auf die aktuellen geopolitische Risiken, die zinspolitischen Signale sowie die Aktienmarkt- und Ölpreisentwicklung“, erläutert beispielsweise Holger Schmieding, Ökonom bei der Bank of America. Flaig schätzt deshalb für das Ifo-Geschäftsklima als Vorteil, dass „die Entwicklung, die einen unmittelbar im eigenen Unternehmen betrifft, treffsicherer beurteilt wird als die gesamtwirtschaftliche Entwicklung“.

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