ZEW-Konjunkturerwartungen
Finanzmarktprofis werden misstrauisch

Die Finanzmarktprofis trauen der Hochstimmung nicht. Trotz des Booms an den Aktienmärkten beurteilen professionelle Anleger und Analysten die Aussichten für die deutsche Wirtschaft deutlich pessimistischer. Der ZEW-Index sank im Juli kräftig. Zwei Gründe werden genannt.

ari/HB DÜSSELDORF. Die mittelfristigen Konjunkturerwartungen von Finanzanalysten und institutionellen Investoren für Deutschland haben sich im Juli überraschend deutlich eingetrübt. Der Index der Konjunkturerwartungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fiel auf 10,4 von 20,3 Punkten im Juni. Das Barometer blieb damit unter seinem langjährigen Durchschnitt von 32,8 Punkten.

„Die Konjunkturerwartungen zeigen an, dass die deutsche Wirtschaft mit einer etwas nachlassenden Dynamik in das Jahr 2008 starten wird“, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz zu der monatlichen Umfrage unter rund 300 Finanzmarktprofis. Diese erwarten für die kommenden sechs Monate vor allem eine Abschwächung des inländischen Konsums und der Bauwirtschaft.

Gründe dafür dürften der hohe Ölpreis und steigende Zinsen sein, hieß es. Auch die Aussichten für die US-Konjunktur wurden kritischer gesehen. Zudem mache der teure Euro den Exporteuren das Leben schwerer.

Steigende Zinsen verteuern die Fremdfinanzierung von Investitionen und Bauten, steigende Energiepreise schränken den Spielraum der Konsumenten und Investoren ein, und eine steigender Euro-Kurs schränkt die Absatzmöglichkeiten der Exportbranchen im Ausland ein.

Experten hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf 19 Zähler gerechnet. Sie sagten in ersten Reaktionen: „ Die Konjunkturbäume wachsen auch in Deutschland nicht in den Himmel. Es kann sein, dass wir den Höhepunkt der Konjunkturdynamik gesehen haben", kommentierte Brian Mandt von der Postbank die Zahlen. Laut Andreas Scheuerle von der Deka-Bank "liegt der Höhepunkt des Aufschwungs hinter uns". Die Dynamik gehe deshalb zurück. "Das ist eine ganz normale Entwicklung und nicht beunruhigend, sondern ein Reflex darauf, dass die Konjunktur zur Normalität zurückfindet."

Bernd Weidensteiner von der DZ Bank meinte: „Die Analysten haben mal wieder einen ihrer üblichen Anfälle von Pessimismus. Der Dax steht auf Rekordhoch, da werden die Risiken wieder stärker in den Vordergrund gerückt. Momentan scheint der europäische Aufschwung stabil genug zu sein, um mit dem Zinsniveau zurecht zu kommen.“

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