ZEW-Umfrage
Starker Euro dämpft Konjunkturhoffnungen

Die Konjunkturerwartungen für Deutschland haben sich laut ZEW-Umfrage deutlich eingetrübt. Das Stimmungsbarometer ging im Vergleich zum Vormonat deutlich zurück. Damit fiel der Indikator zum vierten Mal in Folge.

HB MANNHEIM. Die Finanzmarktexperten blicken einer ZEW-Umfrage zufolge im Mai erneut weniger optimistisch auf die deutsche Konjunktur. Der Saldo der Konjunkturerwartungen der befragten Analysten und institutionellen Anlegern sank im Mai auf 50,0 von 62,7 Punkten im April, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mitteilte. Der Index fiel damit den vierten Monat in Folge, liegt aber weiter über seinem historischen Mittelwert von 35,3 Zählern.

„Die schon in den vergangenen Monaten eingetretene Ernüchterung der Analysten setzt sich offenbar fort. Steuererhöhungs- und Mindestlohndebatten sind nicht gerade dazu angetan, das Vertrauen der Investoren zu erhöhen“, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. An der Umfrage beteiligten sich 314 Analysten und institutionelle Anleger. „Ein Grund für den gegenwärtigen Rückgang dürfte die kräftige Aufwertung des Euros gegenüber dem Dollar sein, die die Exportindustrie belasten dürfte“, erklärte das ZEW. Der Euro reagierte mit Kursverlusten, die Staatsanleihen zogen an.

Die aktuelle Lage beurteilten die Experten besser als zuvor, der entsprechende Indikator stieg auf 8,7 von 2,9 Punkten. Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Rückgang des Erwartungsindex auf 60 Punkte gerechnet und einen Anstieg der Lagebeurteilung auf 5,6 Zähler erwartet. Für die Euro-Zone sanken die Konjunkturerwartungen auf 47,7 von 58,7 Punkten, der Lageindex legte um vier Zähler auf 18,3 Punkte zu.

Nachdem harte Wirtschaftsdaten zuletzt nicht die gute Stimmung in Deutschland bestätigt konnten, hatten Experten ihre Erwartungen hinuntergeschraubt. „Die Abwärtsbewegung war zu erwarten, auch wenn sie nun etwas stärker ausgefallen ist“, sagte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim zu den ZEW-Daten. „Die Verfassung der deutschen Wirtschaft wird aber weiter als sehr gut angesehen, die ZEW-Lageeinschätzung hat sich ja verbessert.“

Andere Stimmungsindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima hätten ein zyklisches Hoch erreicht und würden sich demnächst leicht abschwächen. „Unsere Wachstumseinschätzung für dieses Jahr steht aber, die Wirtschaft ist gut aufgestellt“, bekräftigte Kastens insgesamt ihre Zuversicht.

Auch Matthias Rubisch von der Commerzbank erwartet demnächst einen weiter sinkenden ZEW-Indikator. „Wegen der Steuererhöhung erwarten da alle Analysten eine Abschwächung der Konjunktur.“ Dies sei breiter Konsens. „Da könnte der ZEW in den nächsten Monaten bis auf die Null-Linie fallen, ohne dass das heißt, dass eine Rezession kommt“, ergänzte der Volkswirt aber. Analysten sowie ZEW-Präsident Wolfgang Franz riefen die Bundesregierung zu weiteren Reformen auf.

Auch für die Euro-Zone sanken die Konjunkturerwartungen deutlich auf 47,7 von 58,7 Punkten, der Lageindex hingegen legte um vier Zähler auf 18,3 Punkte zu.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%