ZEW und Herbstgutachten
Düstere Aussichten für die Konjunktur

Die Stimmung deutscher Finanzexperten hat sich angesichts der Zuspitzung der Finanzkrise überraschend deutlich eingetrübt: Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartungen brach im Oktober ein. Zugleich urteilen führende Wirtschaftsforschungsinstitute, schon jetzt befinde sich die deutsche Wirtschaft am Rande einer Rezession. Auch die Bundesregierung will offenbar ihre Wachstumsprognose reduzieren.

MANNHEIM/BERLIN. Die ZEW-Konjunkturerwartungen seien im Oktober zum Vormonat um 21,9 Punkte auf minus 63,0 Punkte gesunken, teilte das ZEW mit. Volkswirte hatten nur einen Rückgang auf minus 51,1 Punkte erwartet. Die Konjunkturerwartungen liegen weiter deutlich unter ihrem historischen Mittelwert von 27,5 Punkten. Die Finanzkrise drücke die Konjunkturerwartungen, hieß es. Das ZEW verwies allerdings darauf, dass für Antworten, die noch am Montag nach dem Beschluss zum deutschen Rettungspaket für den Bankensektor eingegangen sind, ein weniger starker Rückgang verzeichnet worden sei.

ZEW-Präsident Wolfgang Franz sagte, neben dem Finanzgewerbe dürften vor allem die exportorientierten Branchen von der Krise betroffen sein. Zudem dürften die privaten Haushalte angesichts der angespannten Lage auf den Finanzmärkten und der extremen Unsicherheit ihre Ausgaben zurückfahren. „Die Sorge der Finanzmarktexperten, dass die Krise an den Finanzmärkten auf die Realwirtschaft übergreift, hatte sich verständlicherweise verstärkt.“ Das gerade beschlossene Rettungspaket der Bundesregierung dürfte jedoch helfen, die Situation zu stabilisieren.

Ebenfalls deutlich schlechter beurteilen die befragten Finanzanalysten die aktuelle konjunkturelle Lage in Deutschland. Der entsprechende Indikator sank im Oktober um 34,9 Punkte. Er steht nun bei minus 35,9 Punkten. Das ist der schlechte Wert seit Dezember 2005. Volkswirte hatten nur mit einer Eintrübung auf minus 15,0 Punkte gerechnet. Im Juni 2007 hatte der entsprechende Index mit plus 88,7 Punkten noch ein Allzeithoch verzeichnet. Die Konjunkturerwartungen für die Eurozone sanken im Oktober um 21,8 Punkte auf minus 62,7 Punkten. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum verringerte sich im Oktober um 34,7 Punkte ab und steht nun bei minus 44,7 Punkten.

Auch die Bundesregierung reduziert ihre Wachstumsprognose für das kommende Jahr. Die amtliche Schätzung werde voraussichtlich bei 0,2 Prozent, vielleicht auch noch etwas darunter liegen, sagte eine mit den Zahlen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir werden jedenfalls nicht unter die Null gehen“, unterstrich die Person. Bisher war die Regierung von einem Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes um 1,2 Prozent ausgegangen. Für das laufende Jahr wird die Regierung den Angaben zufolge voraussichtlich auf dem Niveau ihrer bisherigen Schätzung von 1,7 Prozent bleiben. Offiziell soll die Prognose am Donnerstag mitgeteilt werden. Sie ist Grundlage für die Aufstellung der öffentlichen Haushalte.

In ihrem zuvor veröffentlichten Herbstgutachten haben die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute die Prognose für das Wachstum der deutschen Wirtschaft im kommenden Jahr deutlich gesenkt, wie das Handelsblatt bereits vorab berichtet hatte. Demnach wird für 2009 nur noch ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,2 Prozent erwartet, wie aus dem am Dienstag in Berlin vorgestellten Gutachten hervorgeht. Im Frühjahrsgutachten hatten die Institute noch ein Wachstum von 1,4 Prozent vorhergesagt.

Für das laufende Jahr bleiben die Institute angesichts des starken ersten Halbjahrs bei ihrer Voraussage von 1,8 Prozent Wachstum. Die Prognosen beruhen auf der Annahme, dass es in den kommenden Monaten zu einer allmählichen Stabilisierung des Bankensektors kommen wird.

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