ZEW und Ifo
Hoffnungssignale werden stärker

Noch ist die Lage der deutschen Wirtschaft desaströs – sie dürfte sich aber schon bald zumindest etwas bessern. Diese These wurde durch diverse Umfragen untermauert. Auch aus Sicht des Vorsitzenden des Sachverständigenrats, Wolfgang Franz, mehren sich die Anzeichen, „dass das Schlimmste nun überstanden ist“.

FRANKFURT. So zeigt der Handelsblatt Business-Monitor zwar, dass eine große Mehrheit der Führungskräfte in Deutschland vor allem mit ihrem Exportgeschäft nach wie vor unzufrieden ist. Doch anders als im März übersteigt der Anteil der Optimisten, die mit einer Verbesserung des Auslandsgeschäfts in den kommenden zwölf Monaten rechnen, inzwischen den der Pessimisten. Auch das weltweite Ifo-Barometer, das die Stimmung von Konjunkturbeobachtern in 90 Ländern erfasst, ist erstmals seit Herbst 2007 aufgrund steigender Erwartungen geklettert. Behalten die internationalen Experten recht, stützt das die exportgeprägte deutsche Wirtschaft.

In den zurückliegenden Wochen hatten bereits einige Stimmungsindikatoren signalisiert, dass nach einem monatelangen steilen Sinkflug der Boden erreicht werden dürfte. Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland stiegen im Mai das siebte Mal in Folge, wie das Institut bekanntgab. Mit dem unerwartet kräftigen Anstieg um 18,1 Punkte gegenüber April auf 31,1 Zähler liegt das Barometer nun über seinem langjährigen Durchschnittswert.

Unter dem Strich ist auf die Ergebnisse solcher Stimmungsumfragen Verlass, urteilen Konjunkturexperten. Der ZEW-Index, der auf einer Umfrage unter Analysten beruht, sei „in der Vergangenheit als Indikator für untere Wendepunkte nicht schlechter als zum Beispiel die Ifo-Geschäftserwartungen“ gewesen, die die Stimmung bei den Unternehmen wiedergeben, kommentierte Ralph Solveen von der Commerzbank. „Manchmal war der ZEW-Index sogar das frühere Signal“, sagt Unicredit-Ökonom Andreas Rees. Allerdings diene die Umfrage nur mit „Aussetzern“ als guter Vorläufer. Beispiel Mehrwertsteuererhöhung: Im Vorfeld der umstrittenen Anhebung sackte der Index ab, die Wirtschaft hingegen hielt sich wacker.

Der jüngste Anstieg der Stimmungsindikatoren dürfte jedoch kein trügerisches Signal gewesen sein. Diese Annahme stützt sich auf erste realwirtschaftliche Daten, die in den vergangenen Wochen bekanntwurden und den Trend zaghaft bestätigen. So waren beispielsweise die Auftragseingänge der Industrie, die als Taktgeber der deutschen Wirtschaft gelten, im März erstmals nach einem halben Jahr wieder im Plus, die Produktion hatte immerhin stagniert.

Wie schlecht die Lage der Unternehmen in Deutschland allerdings zurzeit noch immer ist, zeigt die exklusive Umfrage unter knapp 800 Spitzenmanagern, die das Handelsblatt und die Unternehmensberatung Droege & Comp. bei dem Marktforschungsinstitut Psephos in Auftrag gegeben haben. Das gilt insbesondere für im Export tätige Unternehmen: Zwei Drittel von ihnen bezeichnen ihr Auslandsgeschäft derzeit als „schlecht“ (26 Prozent) oder „eher schlecht“ (40 Prozent). Dagegen ist nur eine Minderheit zufrieden und bezeichnet es als „gut“ (13 Prozent) oder „eher gut“ (19 Prozent).

Mehrheitlich rechnen die Führungskräfte zwar damit, dass die Exportgeschäfte in den kommenden zwölf Monaten unverändert laufen werden. Aber anders als noch bei der letzten Umfrage vor zwei Monaten sind die Optimisten in der Überzahl. Während damals 20 Prozent mit besseren Geschäften gerechnet hatten, sind es inzwischen 24 Prozent. Und während vor zwei Monaten 27 Prozent schlechtere Geschäfte erwartet hatten, sind es derzeit noch 21 Prozent.

Für das Inlandsgeschäft gilt derselbe Trend – wobei schon heute mehr als die Hälfte der Unternehmen zufrieden mit ihren Geschäften auf dem Heimatmarkt ist. Die Gruppe der Optimisten, die mit noch besseren Geschäften im Inland rechnet, ist mit 16 Prozent zwar deutlich kleiner als die der Pessimisten mit 28 Prozent. Noch im März hatten aber weniger Manager mit einer Besserung und mehr mit einer Verschlechterung gerechnet.

Die vorsichtige Hoffnung der Führungskräfte in Deutschland teilen Konjunkturexperten auf der ganzen Welt, deutet die vierteljährliche Umfrage des Ifo-Instituts in Zusammenarbeit mit der Internationalen Handelskammer unter mehr als 1 000 Experten aus 90 Ländern an. Dass sich die Stimmung der Befragten erstmals seit Herbst 2007 besserte, liegt vor allem an den Erwartungen für die nächsten sechs Monate. In allen großen Regionen, insbesondere in Nordamerika und in Asien, sind diese positiv. Der Index für die derzeitige wirtschaftliche Lage stürzte dagegen auf einen historischen Tiefstand.

Auch aus Sicht des Vorsitzenden des Sachverständigenrats, Wolfgang Franz, mehren sich die Anzeichen, „dass das Schlimmste nun überstanden ist“. Allerdings warnt der Ökonom: „Bei der Entwicklung am Arbeitsmarkt steht uns das Schlimmste wohl noch bevor.“ Das Handwerk beispielsweise geht davon aus, dass es in diesem Jahr 25 000 Arbeitsplätze abbauen wird.

Die vorwiegend binnenwirtschaftlich orientierte Branche spüre die Krise zwar, sagt Verbands-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer. Sie erlebe aber zumindest nicht so einen Einbruch wie exportorientierte Produzenten, etwa Autohersteller oder Maschinenbauer.

Wie groß das Risiko, das vom Arbeitsmarkt ausgeht, für die Gesamtwirtschaft ist, lässt sich auch am Handelsblatt Business-Monitor ablesen. Mit 48 Prozent will zwar eine relative Mehrzahl der Manager die Zahl ihrer Beschäftigten konstant lassen. Gut ein Drittel plant aber, die Beschäftigtenzahl zu verringern. Zusätzliche Mitarbeiter einstellen wollen nur 16 Prozent. Eine kleine positive Botschaft beinhalten die Pläne dennoch: Im April hatte ein noch kleinerer Anteil vor, zusätzliche Beschäftigte einzustellen, ein noch größerer Anteil wollte Mitarbeiter entlassen.

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