Zinsen derzeit angemessen
EZB setzt auf Konjunkturerholung in 2003

Nach in diesem Jahr soll sich die Konjunktur wieder erholen. Die Europäische Zentralbank hat deshalb den Leitzins in der Eurozone auf dem tiefsten Stand von 2 Prozent belassen. Der derzeitige geldpolitische Kurs sei weiterhin angemessen, begründete die EZB ihre Entscheidung am Donnerstag.

HB FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet den Beginn einer langsamen Konjunkturerholung in diesem Jahr, die mit einem stabilen Preisniveau einhergeht. Die Aussichten für die Preisstabilität auf mittlere Sicht seien günstig. „Der derzeitige geldpolitische Kurs ist daher weiterhin angemessen“, begründete die EZB in dem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht ihre jüngste Entscheidung, den Leitzins in der Euro-Zone auf dem tiefsten Stand der Nachkriegszeit von 2,00 Prozent zu lassen.

Im Vorwort des Monatsberichts wiederholte die Zentralbank damit die jüngsten Ausführungen von EZB-Vizepräsident Lucas Papademos und EZB-Chef Wim Duisenberg, mit denen diese ein Abwarten in der Zinspolitik demonstriert hatten.

Historisch niedrige Zinsen stützen Wirtschaft

Die historisch niedrigen Zinsen stützten die Wirtschaftstätigkeit. Die Währungshüter sehen sich von jüngsten Umfrageergebnisse in ihrer Erwartung bestätigt, dass die dreijährige Talfahrt der Wirtschaft zu Ende ist und im zweiten Halbjahr eine Erholung einsetzt, die sich 2004 verstärken wird. „Der erwartete Aufschwung dürfte sowohl von binnenwirtschaftlichen als auch von außenwirtschaftlichen Faktoren gestützt werden“, heißt es weiter.

Inflationsrate soll unter 2 Prozent sinken

Die Notenbank geht weiterhin davon aus, dass die Inflationsrate von derzeit rund 2 Prozent im kommenden Jahr unter diese Marke sinkt und dort verharrt. Damit wäre das Ziel der EZB, Preisstabilität mit Teuerungsraten von knapp 2 Prozent zu gewährleisten, erreicht. Der vergangene starke Kursanstieg des Euro, der Ende Mai fast 1,20 Dollar erreicht hatte, werde die Preise dämpfen. Zudem gehe die EZB von einem moderaten Anstieg der Löhne und damit der Kaufkraft aus. Von der überschüssigen Liquidität in der Wirtschaft werde kein Inflationsdruck ausgehen, gleichwohl müsse sie aufmerksam beobachtet werden.

Mehr und mehr Analysten sagen angesichts des Szenarios einer konjunkturellen Belebung ohne Preisauftrieb unveränderte Leitzinsen bis ins nächste Jahr voraus. Einige erwarten jedoch weiterhin noch eine Zinssenkung, da sie einen erneuten Konjunktureinbruch und eine abermalige starke Euro-Aufwertung nicht ausschließen.

Trichet schätzt Preisstabilität der EZB

Nach den Worten des designierten neuen EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet ist die Preisstabilität der EZB der beste Beitrag zu mehr Wachstum und Beschäftigung in der Euro-Zone. „Preisstabilität ist eine notwendige, aber nicht ausreichende Bedingung für mehr Wachstum. Vielmehr sind unter anderem noch Strukturreformen und eine solide Finanzpolitik erforderlich“, sagte der französische Notenbankchef am Donnerstag bei seiner Anhörung im Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments in Brüssel. „Zwischen Preisstabilität und Beschäftigung gibt es keinen Widerspruch“, stellte Trichet die Grundhaltung der EZB heraus.

Trichet soll Duisenberg ablösen

Das Parlament muss noch über den Kandidaten abstimmen, hat allerdings kein Vetorecht. Trichet soll den Niederländer Wim Duisenberg im November an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) ablösen. Der Weg für Trichets Kandidatur war frei, nachdem ihn ein Pariser Gericht im Juni von Vorwürfen in Zusammenhang mit einem Bankenskandal in Frankreich freigesprochen hatte. Duisenbergs Ausscheiden vor dem Ende der offiziellen achtjährigen Amtszeit war bereits zu Beginn der Währungsunion auf Drängen Frankreichs, das den zweiten Präsidenten zu stellen beanspruchte, vereinbart worden. Trichet wird für die volle Amtszeit ernannt.

Den regelmäßig vorgetragenen Wünschen des Parlaments nach mehr Transparenz der Notenbank hielt Trichet entgegen, dass die EZB mit dem unmittelbaren Erläutern der Zinsentscheidungen vor der Presse die Öffentlichkeit in die Lage versetze, die Beweggründe der Geldpolitik nachzuvollziehen.

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