Zinsentscheidung der Fed
Kommentar: Vorsichtige Wende

Die amerikanische Notenbank nimmt ganz langsam den Fuß vom Gaspedal. Mit ihrer Zinssenkung von 0,25 Prozentpunkten hat die Fed die Erwartungen der Finanzmärkte noch einmal erfüllt. Enttäuscht wurden dagegen diejenigen, die vor einer waschenden Inflationsgefahr warnen und deshalb bereits jetzt auf eine Zinspause gehofft hatten.

NEW YORK. Soweit sind Fed-Chef Ben Bernanke & Co. aber noch nicht. Zwar räumen auch die Notenbanker inzwischen ein, dass die Inflationserwatungen gestiegen sind. Dennoch rechnen sie noch immer damit, dass sich der Preisdruck in den kommenden Mo-naten abschwächt. Obwohl die Fed nicht mehr ausdrücklich von einem Wachstumsrisiko spricht, gilt ihre Hauptsorge weiterhin der nachlassenden Konjunktur.

Angesichts eines mickrigen Wirt-schaftswachstums von 0,6 Prozent in den ersten drei Monaten kann man das verstehen. Nur der Lageraufbau hat die US-Wirtschaft vor einem Minus bewahrt. Bereits im nächsten Quartal werden die Firmen ihre Läger räumen und entsprechend weniger produzieren. Die wirtschaftliche Talfahrt dürfte sich also beschleunigen.

Dass Problem für Bernanke ist, dass sich seine Geldpolitik nicht mehr im Gleichschritt mit der Realwirtschaft befindet. Mit den massiven Zinssenkungen von 3,25 Prozentpunkten ist er der Konjunktur weit vorausgeeilt. Mit ihrem Spurt wollten die Notenbanker die Finanzkrise in den Griff bekommen. Jetzt, da sich die Kreditklemme langsam lockert, steckt noch ein großer Teil der Anschubhilfe in der Pipeline. Zinsschritte wirken bekanntlich erst mit einer Verzögerung von mindestens sechs Monaten.

So steckt die Fed in einem Dilemma: mitten in der Rezession muss sie das Zinsruder herumreißen und die Wirtschaft vorsichtig auf eine restriktivere Geldpolitik vorbereiten. Das ist gerade im Wahljahr, in dem viele Amerikaner um ihre Einkommen und Arbeitsplätze bangen, schwer zu vermitteln. Dennoch darf die Fed die Zinswende nicht länger hinauszögern. Angesichts der Preissprünge auf den Rohstoffmärkten hat sie die Zügel ohnehin schon zu lange schleifen lassen. Die Märkte sollten sich deshalb auf eine längere Zinspause einstellen. Der nächste Schritt der Fed muss dann nach oben gehen.

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