Zinserhöhung
EZB soll sich nicht festlegen

Während die Europäische Zentralbank (EZB) bald wohl ein weiteres Mal den Leitzins erhöht, spricht sich der Schattenrat gegen eine solche Mehrbelastung aus. Dies ist die Folgerung aus einigen positiven Trends, die zuletzt zu beobachten waren – und die Experten warnen davor, diese zu riskieren.

FRANKFURT. Unabhängige Geldpolitikexperten haben sich mehrheitlich dagegen ausgesprochen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Märkte nach ihrer nächsten Ratssitzung am 12. April auf eine weitere Zinserhöhung einstimmt. Allerdings hatten fast alle EZB-Vertreter, die sich in den letzten Wochen öffentlich äußerten, eine deutliche Neigung zu höheren Leitzinsen erkennen lassen.

Die Mitglieder des EZB-Schattenrats, dem 19 europäische Geldpolitik-Experten aus Banken, Hochschulen und Forschungsinstituten angehören, empfehlen der EZB mit großer Mehrheit, den Leitzins im April bei 3,75 Prozent zu lassen. Nur etwas mehr als ein Drittel der Mitglieder der Gremiums machten deutlich, dass sie eine weitere Zinserhöhung in den nächsten Monaten für notwendig halten, wenn nichts Überraschendes passiert. Ein weiteres gutes Drittel hält dies dagegen nach gegenwärtigem Informationsstand ausdrücklich nicht für nötig. Die übrigen gaben eine leichte Neigung zu höheren Zinsen zu Protokoll.

In den Terminsätzen am Geldmarkt, wo Banken unter sich mit kurzfristigem Zentralbankgeld handeln, ist eine Zinserhöhung der EZB im Juni weitgehend vorweggenommen. Auch die meisten Bankvolkswirte rechnen laut Umfragen damit, dass die EZB im Juni noch eine weitere Zinserhöhung auf vier Prozent beschließt und danach den Leitzins bis auf weiteres unverändert lässt. Zuletzt hatte die EZB ihren Leitzins am 4. März von 3,5 auf 3,75 Prozent angehoben.

„Die Produktionskapazitäten sind stark ausgelastet, und die Zunahme von Geldmenge und Kreditvolumen ist außerordentlich stark“, begründete Thorsten Polleit von Barclays Capital sein Eintreten für einen höheren Leitzins. Die meisten der Experten halten die Aussagekraft der Geldmenge allerdings für gering und geben zudem zu bedenken, dass sich die vergangenen Zinserhöhungen noch nicht voll auf die Wirtschaft des Euro-Raums ausgewirkt hätten. „Die Wirtschaft wächst mit einer guten, aber nicht überschäumenden Rate, und die laufende Tarifrunde ist bisher ohne unangenehme Überraschungen verlaufen“, begründete Angel Ubide vom Hedge-Fonds Tudor sein Eintreten für bis auf weiteres unveränderte Leitzinsen.

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