Zinserhöhung
EZB überzeugt die Märkte nicht

Vertreter der Europäischen Zentralbank (EZB) sind mit ihrem Versuch gescheitert, die Märkte auf eine lange Zinserhöhungsphase einzustimmen. Wirtschaftsdaten machen der Notenbank einen gewaltigen Strich durch die Rechnung.

FRANKFURT. Mehrere Vertreter des EZB-Rats hatten die Absicht angedeutet, die Leitzinsen nicht nur, wie vom Markt erwartet, bis Jahresende um einen halben Punkt auf 3,5 Prozent zu erhöhen, sondern im nächsten Jahr mit Zinserhöhungen weiter zu machen (siehe „Stimmen aus der EZB“). Die Marktteilnehmer ließen sich aber nicht überzeugen. Das Ausmaß der erwarteten Zinserhöhungen, das in den Terminsätzen zum Ausdruck kommt, ist in den vergangenen Wochen immer weiter geschrumpft.

Seit Anfang August liegt der Leitzins der EZB bei 3,0 Prozent. Eine Erhöhung auf 3,25 Prozent am 5. Oktober gilt am Markt als ausgemacht, eine weitere im Dezember auf 3,5 Prozent ebenfalls. Dann ist aber nach Ansicht der meisten Marktteilnehmer Schluss.

Schon bevor Bundesbankpräsident Axel Weber und weitere Hardliner im EZB-Rat Anfang des Monats mit ihren Überzeugungsversuchen begannen, hatten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in die Gegenrichtung gedreht. Der Ölpreis, der bisher maßgeblich für die zu hohe Inflation verantwortlich war, fiel in den letzten sieben Wochen um fast ein Viertel. Nach dem Rückgang der vorläufigen Inflationsrate in Deutschland rechnen die meisten Bankvolkswirte damit, dass die Preissteigerung im Euro-Raum im September erstmals seit 19 Monaten wieder unter die Stabilitätsmarke der EZB von zwei Prozent fallen wird. Gleichzeitig haben mehrmonatige Rückgänge des ZEW-Indexes und des Ifo-Indexes Zweifel an der Nachhaltigkeit des Aufschwungs in Deutschland genährt. Die Tatsache, dass der Ifo-Index gestern nur leicht zurückging, verschaffte den Zinsfalken zwar wieder Auftrieb, wenn auch nur in geringem Umfang. „Der stabile Ifo-Index erlaubt der EZB, ihren Plan einer Zinserhöhung am 5. Oktober zu verwirklichen“, kommentierte David Brown, Europa-Chefvolkswirt von Bear Stearns, zurückhaltend.

Auch international nehmen die Konjunktursorgen zu. Vom amerikanischen Immobilienmarkt kamen Signale einer starken Abkühlung. Die Finanzmärkte gehen davon aus, dass der Zinserhöhungszyklus in den USA zu Ende ist, und schon bald Senkungen anstehen. Ein gegenläufiger Trend in den USA erschwert der EZB aber Zinserhöhungen, weil dann die Gefahr besteht, dass der Euro übermäßig aufwertet. Außerdem würde ein Einbruch in den USA den Export des Euro-Raums abbremsen.

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