Zinserhöhung
EZB überzeugt Skeptiker

Wenn die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag wie erwartet ihren Leitzins von drei auf 3,25 Prozent anhebt, hat sie dafür so viel Rückhalt in Fachkreisen wie seit Jahren nicht mehr. Darauf deutet die jüngste Sitzung des EZB-Schattenrats Ende vergangener Woche hin. Auf mehr will sich die Fachwelt jedoch nicht einstimmen lassen.

FRANKFURT. Das Gremium, das seit November 2002 regelmäßig tagt, besteht aus 18 renommierten europäischen Geldpolitik-Experten von Banken, Hochschulen und Forschungsinstituten. Mit 15 war die Zahl der Befürworter einer Zinserhöhung in dem Gremium so hoch wie nie zuvor. Hatte vor der ersten EZB-Zinserhöhung im Dezember noch eine Mehrheit dagegen votiert, war die Unterstützung unter den Experten für eine weitere Straffung der Geldpolitik mit jeder Zinserhöhung gewachsen. „Im Nachhinein muss man sagen, die EZB hat es richtig gemacht“, sagte José Luis Escrivá, Chefvolkswirt der spanischen Großbank BBVA, der zum ersten Mal für eine Zinserhöhungsempfehlung stimmte.

Hauptgrund dafür, dass eine weitere Straffung der Geldpolitik fast einmütig für nötig befunden wird, ist das starke Wirtschaftswachstum in den ersten beiden und voraussichtlich auch im dritten Quartal des Jahres sowie die Wahrnehmung, dass der Inflationsdruck zugenommen hat. „Inflation ist von einer Gefahr zu einer Realität geworden", sagte Veronique Riches-Flores, Europa-Chefvolkswirtin von Société Générale.

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Die aktuelle Diskussion im EZB-Schattenrat

Den kräftigen Rückgang der Inflationsrate im Euro-Raum im September auf 1,8 Prozent betrachten die meisten Schattenräte als ein vorübergehendes Phänomen, das die EZB nicht besonders ernst nehmen sollte. Lediglich Agnès Bénassy Qúeré, Directorin des Pariser Wirtschaftsforschungsinstitut CEPII warf ein, es sei sonderbar, den Leitzins gerade dann zu erhöhen, wenn die Inflationsrate unter die Stabilitätsmarke von zwei Prozent falle.

Die meisten Experten befürworten eine moderate Leitzinserhöhung um einen Viertel Prozentpunkt. „Die EZB sollte den Leitzins langsam anheben und dabei beobachten, wie sich die früheren Zinserhöhungen, der stärkere Euro und die im nächsten Jahr restriktivere Fiskalpolitik auswirken“, sagte Julian Callow, Europa-Chefvolkswirt von Barclays Capital.

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