Zinserhöhung stellt ausländische Investoren zufrieden
Ungarns Notenbank stärkt den Forint

Die Ungarische Nationalbank (MNB) hat die Notbremse gezogen. Um einen weiteren Kursverfall des Forint zu verhindern, erhöhte der Währungsrat der MNB auf einer eilig einberufenen Krisensitzung den Basiszinsatz von 9,5 % auf stolze 12,5 %, was im regionalen Vergleich Rekordniveau bedeutet.

BUDAPEST. Trotzdem blieb der Forint schwach und schloss am Freitag beim offiziellen Fixing mit einem Kurs von 265,03 je Euro. In ihrer Begründung verwies die Nationalbank vor allem auf die Stimmung an den Devisenmärkten. Das hohe Defizit im Staatshaushalt und der jüngste Anstieg des Defizits in der Leistungsbilanz hätten die ausländischen Investoren misstrauisch gemacht. Tatsächlich hatten Marktteilnehmer seit Tagen ungarische Schatzanweisungen auf den Markt geworfen, um die Nationalbank zu einem drastischen Zinsschritt zu zwingen. Wegen des geringen eigenen Sparvolumens ist Ungarn zur Finanzierung seines Haushaltsdefizits vor allem auf ausländische Investoren angewiesen.

So wiesen große ungarische Zeitungen vor allem darauf hin, dass die MNB-Entscheidung die Bedingungen für die einheimischen Schuldner – also die Regierung und die Unternehmen – verschlechtere. Die Nationalbank äußerte dagegen die Hoffnung, dass es im kommenden Jahr im Zuge eines weltweiten Konjunkturaufschwungs wieder zu größeren ausländischen Direktinvestitionen und damit zu günstigeren Finanzierungsbedingungen für die Leistungsbilanz komme.

Tatsächlich hat sich die linksliberale Regierung von Premier Peter Medgyessy vorgenommen, das Defizit im Staatshaushalt von voraussichtlich 5 % in diesem Jahr auf 3,8 % und 2,8 % in 2004 bzw. 2005 zurückzuführen. Ausländische Beobachter meinen allerdings, die Regierung müsse erst noch beweisen, ob sie über das nötige politische Durchsetzungsvermögen verfüge. Ungarn will unmittelbar nach dem EU-Beitritt im Mai 2004 auch dem Europäischen Wechselkursmechanismus ERM II beitreten. Regierung wie Nationalbank streben deshalb einen Wechselkurs an, der sich zwischen 250 und 260 Forint je Euro bewegt.

Unter Budapester Analysten war am Wochenende zu hören, die Zinserhöhung durch die Nationalbank sei möglicherweise auch deshalb so drastisch ausgefallen, weil MNB-Präsident Zsigmond Jarai der politischen Opposition in Gestalt der Bürgerbewegung Fides näher stehe als der linksliberalen Regierung. Deshalb habe er den Druck auf die Regierung erhöhen wollen. Die Zentralbank sei verwundbar geworden, weil sie dem Wunsch ausländischer Investoren nach höheren Zinsen nachgegeben habe. So warnt Lorant Varga von der Inter-Europa Bank: „Im ungünstigen Fall kann diese Maßnahme weitere Spekulationen und damit Verkäufe von Forint-Papieren auslösen.“

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