Zinserhöhung weiterhin im Blick
Euro-Rekordhoch für EZB kein Problem

Nach Einschätzung von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark ist der starke Euro auf lange Sicht kein Nachteil für die europäische Wirtschaft und den Export.

HB BERLIN. „Die Exporteure des Euro-Raums haben bisher nicht unter dem starken Euro gelitten“, sagte EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom Dienstag laut vorab verbreiteten Interview. „Bis jetzt haben wir eine recht graduelle Aufwertung des Euro gesehen“, fügte das Direktoriumsmitglied hinzu. Problematisch werde es, „wenn es zu abrupten Änderungen kommen sollte“. Der Euro hatte vergangenen Freitag einen Rekordstand im Vergleich zum Dollar erreicht.

Die EZB hat laut Stark eine Zinserhöhung im September oder Oktober weiterhin im Blick. Unter Bezug auf EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte er: „Wenn der Präsident sagt, er habe keinen Grund, die Erwartungen für September und Oktober zu korrigieren, dann ist das konsequent.“ Auf die Frage, ob der starke Euro-Kurs die EZB mit ihrer Zinsentscheidung zögern lasse, verwies er darauf, dass die Zentralbank ihre Sprache nach der Zinserhöhung Anfang Juni im Juli weitgehend unverändert gelassen habe. „Daraus zu lesen, dass bestimmte Indikatoren eine besondere Rolle spielen würden, wäre eine Überinterpretation.“ Nach der Juni-Entscheidung hätten sich die Erwartungen an den Märkten so weiterentwickelt, „dass eine Zinserhöhung im September oder Oktober wahrscheinlicher gesehen wird“.

Auf die Frage, ob es unfair gegenüber europäischen Exporteuren sei, wenn Länder wie China ihre Währung künstlich billig hielten oder Japan seine Zinsen und damit den Yen niedrig halte, verwies Stark auf die unterschiedlichen Ursachen der Währungsschwächen beider Länder. Japan sei nahe an der Deflation; China zeige in vielen Regionen des Landes und in der Volkswirtschaft „Überhitzungserscheinungen“. Der Ansatz der Siebenergruppe sei völlig richtig, wonach China eine stärkere Aufwertung des Wechselkurses zulassen müsse. Stark fügte hinzu: „Aber es ist sehr schwer, einem Land nachzuweisen, dass es gezielt seinen Wechselkurs beeinflusst oder eine permanente Unterbewertung seiner Währung zulässt.“

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