Zinspolitik
Billiges Geld von der EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit einer Senkung ihres Leitzinses auf historischen Tiefstand auf die schlechte Konjunkturlage im Euro-Raum reagiert, zu der Deutschland maßgeblich beiträgt.

HB/noh FRANKFURT/M. An den Finanzmärkten wird trotz abwiegelnder Bemerkungen von Notenbankvertretern fest damit gerechnet, dass der Leitzins weiter sinkt.

„Wir haben jetzt die niedrigsten Zinsen seit 50 Jahren. In dieser Situation sollte nicht die Geldpolitik angesprochen werden“, sagte Bundesbankpräsident Ernst Welteke in einem am Montag ausgestrahlten Interview mit dem Fernsehsender „Deutsche Welle TV“.

Seit dem 5. Juni liegt der EZB-Leitzins bei 2,0 Prozent. In keinem Land des Euro-Raums gab es zuvor so niedrige Zinsen. Bei einer Inflationsrate von knapp zwei Prozent bedeutet dies, dass sich die Banken zu einem Realzins nahe null Geld bei der Zentralbank leihen können.

Deutsche Unternehmen und Privatleute sind nur begrenzt in den Genuss niedrigerer Zinsen gekommen, weil die Banken mit der Weitergabe der Leitzinssenkungen noch mehr zögerten als ohnehin üblich. Sie bessern dadurch ihre in Deutschland besonders niedrigen Margen auf. Ob Leitzinssenkungen der deutschen Konjunktur helfen, ist daher umstritten. Wenn die Kreditzinsen nicht sinken, können niedrigere Leitzinsen der Wirtschaft nur dadurch zugute kommen, dass die Banken ihre Margen erhöhen und dadurch wieder mehr Kredite vergeben.

Standpunkt von Thomas Mayer, Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, zu Zinssenkungen:

„Die EZB wird wohl vor Jahresende die Zinsen um weitere 50 Basispunkte senken müssen. Zum einen wird sich die Wirtschaft Euro-Lands nur schleppend erholen. Zum anderen wird eine im Juni wahrscheinliche weitere Zinssenkung in den USA den US-Dollar gegenüber dem Euro noch billiger machen. Dies bewirkt, dass die Inflationsrate im nächsten Jahr deutlich unter die Zweiprozentmarke fallen wird. Angesichts der Belastung durch den steigenden Euro-Kurs können Zinssenkungen allein jedoch nur einen bescheidenen Beitrag zur Erholung der deutschen Wirtschaft leisten. Vielmehr müssen die Investitions- und Konsumnachfrage durch kostensenkende und beschäftigungsschaffende Angebotspolitik gestärkt werden.“

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