Zinspolitik
Null Prozent Zinsen?

Der Leitzins ist im Sinkflug: Die US-Notenbank senkt den Wert auf eine Spanne zwischen 0 bis 0,25 Prozent – ein ungewöhnlicher Schritt. Auch andere Notenbanken nähern sich mit ihren Zinsschritten rapide der Null und geben damit den Banken fast kostenlos Kredit. Doch das birgt auch Gefahren, die im schlimmsten Fall ein Horrorszenario für die Notenbanken wahr werden lassen könnten.

FRANKFURT. Seit Dienstag trägt der Leitzins in den USA die Null vor dem Komma – gegebenenfalls auch noch dahinter. Die Federal Reserve senkte den Wert deutlich und gab eine Zone von null bis 0,25 aus. Die Anfang nächsten Jahres erwartete Nullinie feiert damit bereits jetzt ihre Premiere, niedriger war der Zinssatz in den USA noch nie. Damit ist dann die traditionelle Zinspolitik am Ende angekommen.

Auch andere Notenbanken nähern sich mit ihren Zinsschritten rapide dem Nullpunkt. Die Schweiz, schon bei 0,5 Prozent angelangt, wird den Prognosen von JP Morgan zufolge noch auf 0,25 Prozent gehen, die Europäische Zentralbank (EZB) wird dieser Prognose nach auf ein Prozent heruntergehen, die Bank von England sogar auf 0,5 Prozent. Der japanische Leitzins liegt seit Jahren nahe null.

Auch wenn der nominale Zins bei null liegt, kann der reale, also inflationsbereinigte Zins durchaus noch positiv sein, dann nämlich, wenn die Preise fallen. Für die Notenbanken ist das ein Horrorszenario, weil sie dabei die Kontrolle über den realen Zins verlieren. „Während der großen Depression fiel das Preisniveau in den USA um 25 Prozent“, ruft Kevin Gaynor von der Royal Bank of Scotland in Erinnerung: „Die Wirtschaft schrumpfte und gleichzeitig stiegen die realen Kapitalkosten – das Gegenteil von dem, was man sich wünschen würde.“

Viele Ökonomen sagen den USA bereits 2009 eine negative Inflationsrate voraus, die Deutsche Bank etwa rechnet mit minus 0,4 Prozent. Deflation ist das noch nicht: Dafür müsste der Preisverfall nachhaltig sein und in die Erwartungen für die Zukunft eingehen. Doch ausgeschlossen ist es nicht, dass es dazu kommt, zumal nicht in einer Situation, in der die Wirtschaft trotz staatlicher Gegenmaßnahmen immer tiefer in den Abwärtsstrudel zu geraten scheint.

In der Deflation führt ein Teufelskreis von sinkender Nachfrage, sinkenden Gewinnen, rückläufiger Kreditvergabe sowie steigender Arbeitslosigkeit zu immer weiteren Preisrückgängen. Das ist fatal für alle, die hochverschuldet sind, weil ihre Schuld in realer Rechnung immer größer wird. Es lähmt die gesamte Wirtschaft nachhaltig, wenn die Schuldner auf schleichende, inflatorische Entwertung ihrer Schuld eingestellt waren und nun in Schwierigkeiten kommen.

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