Zinsschritt
„Zinsschritt entbehrt ökonomischer Grundlage“

Die Erhöhung des EU-Leitzinses um 25 Basispunkte auf 3,75 Prozent wurde von Politikern und Gewerkschaftsvertretern unterschiedlich kommentiert. Kritik kam von der Gewerkschaft und der SPD.

HB BERLIN. Joachim Poss, Vizechef der SPD-Bundestagsfraktion:
„Ein überzeugender Grund für die heutige Leitzinsanhebung der EZB ist nicht zu erkennen: Die Preissteigerungsrate in der Euro-Zone liegt seit einem halben Jahr unterhalb der von der EZB als relevant betrachteten Zwei-Prozent-Marke. Mit ihrer einseitigen Fixierung auf sehr hoch gesetzte Preisstabilitätsziele geht die EZB bewusst Konjunkturrisiken ein. Das ist nicht in Ordnung.“

Axel Nitschke, Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK):
„Die Entscheidung der EZB ist nachvollziehbar ... Die hohe Liquidität im Markt hinterlässt die ersten Spuren bei den Verbraucherpreisen ... Dass der Preisauftrieb bislang noch nicht stärker ausgefallen ist, liegt vor allem am moderaten Niveau des Ölpreises und am starken Euro. Überzogene Tarifabschlüsse in diesem Jahr könnten die Bremsklötze bei der Inflation jedoch lösen. Vor diesem Hintergrund setzt der DIHK darauf, dass von der Lohnpolitik keine zusätzlichen Inflationsgefahren ausgehen werden.“

Claus Matecki, Mitglied im DGB-Vorstand:
„Weder die nach unten korrigierten Inflationserwartungen noch die gebetsmühlenhaft wiederholten Ängste vor angeblich überzogenen Lohnforderungen der Gewerkschaften rechtfertigen einen solchen Schritt.“ Er entbehre „jeglicher ökonomisch fundierter Grundlage“. Man müsse der EZB politische Motive unterstellen.

Manfred Weber, Vorstand des Bundesverbandes deutscher Banken:
Es sei zu hoffen, dass der jüngste Zinsschritt der EZB nicht erneut zu unsachlicher Kritik aus politischen Kreisen führe. „Überzogene Lohnanhebungen erhöhen die Lohnstückkosten und damit den Inflationsdruck. Auf eine solche Fehlentwicklung müsste die EZB reagieren.“

Bundesverband öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB): „Der VÖB begrüßt die heutige Entscheidung der EZB ... Bei einem Ausbleiben konjunktureller Belastungen durch negative Vorgaben aus den USA sowie einem anhaltend niedrigen Ölpreis sieht der Verband eine weitere Erhöhung der Leitzinsen Mitte 2007 als gerechtfertigt an. Auch bei einem Verharren der Inflationsrate auf dem aktuellen Niveau von unter zwei Prozent könne ein solcher Schritt durch die Geldmengenentwicklung ausreichend begründet sein.“

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