Zinssenkung: Druck auf die EZB wächst

Zinssenkung
Druck auf die EZB wächst

Eigentlich wollte die Europäische Zentralbank im Januar eine Zinspause einlegen. Doch weil die Konjunktur derzeit stärker einbricht als erwartet, steigt der der Druck auf die Banker, die Zinsen weiter zu senken. Der EZB-Schattenrat, ein Beratergremium aus Ökonomen, drängt sogar auf eine Zinssenkung um einen vollen Prozentpunkt.

FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte nach Ansicht prominenter europäischer Ökonomen mit einer drastischen Zinssenkung auf die katastrophale Konjunkturentwicklung im Euro-Raum reagieren. Der EZB-Rat trifft sich am Donnerstag, um über den Leitzins zu entscheiden. Eigentlich hatten die Notenbanker nach ihrer Zinssenkung um 0,75 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent Anfang Dezember, der dritten Zinssenkung innerhalb von zwei Monaten, eine Zinspause im Januar ins Auge gefasst. Seither haben sich allerdings die Wachstumserwartungen nochmals drastisch verschlechtert, und die Inflationserwartungen sind gesunken. Deshalb befürwortet eine Mehrheit im EZB-Schattenrat, einem Beobachtergremium aus 15 renommierten europäischen Volkswirten aus Finanzinstituten, Hochschulen und Forschungsinstituten, dass die EZB ihren Zinssenkungskurs sogar noch beschleunigt und den Leitzins am Donnerstag um einen vollen Punkt senkt. Mindestens einen halben Punkt Zinssenkung hält das Gremium einhellig für nötig.

„Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass sich die Lage so entwickelt, dass sich eine Zinssenkung um einen Punkt nachträglich als zu viel herausstellen sollte“, begründete Erik Nielsen, Europa Chefvolkswirt von Goldman Sachs, sein Votum für eine sehr kräftige Zinssenkung. Unter solchen Voraussetzungen gebe es keinen Grund, die nötige Unterstützung für die Konjunktur zu verzögern. „Weitere aggressive Zinssenkungen sind nötig, weil dem Euro-Raum 2009 die stärkste Schrumpfung der Wirtschaft seit mindestens sechs Jahrzehnten bevorsteht“, warnte Julian Callow, Europa-Chefvolkswirt von Barclays Capital.

Wie stark sich die Perspektiven eingetrübt haben, wird an den Prognosen der Schattenratsmitglieder deutlich. Binnen einem Monat sank die durchschnittliche Prognose für das Bruttoinlandsprodukt 2009 von minus 0,7 Prozent auf minus 1,8 Prozent. Damit liegt sie bereits weit unter der Untergrenze dessen, was die EZB-Experten noch im Dezember als wahrscheinlich angesehen hatten. Der EZB-Stab hatte eine Prognosespanne von null bis minus ein Prozent angegeben. Auch die Inflationserwartungen sind drastisch gesunken, von 1,6 Prozent im Dezember auf nur noch ein Prozent. Die EZB strebt an, die Inflation „unter – aber nahe bei – zwei Prozent zu halten.“ Mehrere Mitglieder drängten die Notenbank deshalb nachdrücklich, deutlich zu machen, dass ihr Inflationsziel symmetrisch ist, dass sie also entschlossen handeln würde, um eine Verfestigung solch niedriger Inflationserwartungen zu verhindern. Für die Jahresmitte rechnen einige der Schattenräte sogar vorübergehend mit negativen Inflationsraten.

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