Zinssenkung in Großbritannien
EZB tastet Zinsen nicht an

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen in der Eurozone nicht angetastet. Damit bleibt der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld bei 2,0 %. Die Währungshüter gehen weiter vom Beginn einer langsamen Konjunkturerholung in der Euro-Zone noch in diesem Jahr aus und sehen auf absehbare Zeit keinen Bedarf für weitere Zinssenkungen. Dies teilte die EZB nach ihrer Ratssitzung am Donnerstag in Frankfurt mit.

HB/dpa/rtr FRANKFURT/MAIN. Dagegen hatte die Bank of England zuvor den britischen Leitzins überraschend von 3,75 auf 3,50 % gesenkt.

Volkswirte hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. Erst im September erwarten sie eine geldpolitische Lockerung. Spielraum dafür wäre angesichts der günstigen Inflationsaussichten und der schwachen Konjunktur vorhanden.

Die Haltung der Geldpolitik sei derzeit angemessen, sagte EZB-Präsident Wim Duisenberg. „Ich kann nicht vorhersagen, wie lange wir auf diesem Kurs bleiben, aber ich würde erwarten, dass es für einen beträchtlichen Zeitraum gilt“, ergänzte er. Die Zentralbank hatte im Juni den Leitzins um 50 Basispunkte auf ein historisch niedriges Niveau von 2,00 % gesenkt. Mit Blick auf die Konjunktur sagte Duisenberg: „Die vorliegenden Indikatoren signalisieren im Großen und Ganzen eine Stabilisierung, geben aber keinen Hinweis auf ein nachhaltiges Produktionswachstum und deutlich gestiegenes Vertrauen.“

Während an den Finanzmärkten inzwischen der Optimismus über eine Konjunkturbelebung gewachsen sei, geht die EZB von einer sehr langsamen Erholung im zweiten Halbjahr und von einer Beschleunigung 2004 aus. Doch auch im kommenden Jahr werde das Wachstum nur schrittweise zulegen, sagte Duisenberg. Risiken für die Konjunktur gingen vom hohen US-Leistungsbilanzdefizit und von notwendigen Anpassungsprozessen im Unternehmenssektor in Europa aus. Die schwache Konjunktur und die Euro-Aufwertung sorgen nach Duisenbergs Worten unterdessen für ein günstiges Preisklima. Nach Inflationsraten um zwei Prozent in diesem Jahr sei zu Jahresbeginn auch wegen Basiseffekten mit einem deutlichen Inflationsrückgang zu rechen. „Das Ziel stabiler Preise wird auf mittlere Sicht eingehalten.“

Duisenberg ermahnte die Regierungen abermals, am Stabilitätspakt festzuhalten und Reformen durchzusetzen. „Eine starke Verpflichtung zum Pakt und das Festhalten an der mittelfristigen Konsolidierungsstrategie würde einen Beitrag zur Stärkung des Vertrauens leisten.“

Viele Analysten rechnen derzeit noch mit einer weiteren geldpolitischen Lockerung später im Jahr, da sich noch immer keine durchgreifende Konjunkturbelebung abzeichnet. „Die Tür für eine weitere Zinssenkung ist weiter offen, aber nicht mehr ganz so weit wie zuvor“, sagte Michael Schubert, Volkswirt von der Commerzbank. Darauf weise auch die abermalige Aufforderung Duisenbergs an die Regierungen hin, mit Reformen und Haushaltskonsolidierung jetzt ihren Beitrag zu mehr Wachstum zu leisten. „Wir halten es weiter für etwas wahrscheinlicher, dass noch eine Zinssenkung kommt, weil wir für die Konjunktur nicht so optimistisch sind“, ergänzte er. Doch nun seien womöglich nur noch 25 Basispunkte Lockerung zu erwarten.

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