Zinssenkungen
Osteuropa: Geldhüter greifen durch

Osteuropas Notenbanken senken auf breiter Front die Zinsen. Die Zielsetzung der Währungshüter ist klar: Die zum Teil noch sehr hohen Zinsen müssen schnell auf niedrigere Niveaus gebracht werden, damit die massiven Rückgänge in der Realwirtschaft nicht noch weiter zunehmen.
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WIEN. Es gilt als ausgemacht, dass die ungarische Zentralbank den Leitzins am Montag zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen deutlich senken wird. Zu diesem Schritt hatten bereits die Notenbanken in Tschechien und in Rumänien gegriffen.

Der Abwärtstrend der osteuropäischen Volkswirtschaften hat sich in den vergangenen Monaten noch einmal beschleunigt. Statt des zu Jahresbeginn erwarteten Rückgangs der realen Wirtschaftsleistung von ein bis zwei Prozent wird die gesamte Region 2009 jetzt mindestens um vier Prozent schrumpfen. Zu den Spitzenreitern gehört Rumänien mit einem Minus von acht Prozent, in Ungarn wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) voraussichtlich um mehr als sechs Prozent in diesem Jahr schrumpfen.

Offen ist derzeit noch, wie stark die ungarische Notenbank am Montag den Zinssatz senken wird. „Wir erwarten 0,5 Punkte“, glaubt Wolfgang Ernst, Ungarn-Experte bei der Raiffeisen-Gruppe in Wien. Niedrige Inflationsraten und die schwache Wirtschaftsleistung seien klare Hinweise für eine neuerliche Zinssenkung. Vor vier Wochen hatten die Währungshüter in Budapest den Leitzins überraschend stark um einen Prozentpunkt auf 8,5 Prozent gesenkt.

Der fast überall in Osteuropa zu beobachtende Trend zur Zinssenkung kommt vergleichsweise spät. Die Europäische Zentralbank (EZB), die britische und die Schweizer Notenbank waren mit ihren Zinsschritten deutlich schneller. Rainer Singer, Osteuropa-Experte bei der Ersten Bank in Wien, hat eine eindeutige Erklärung für diese zögerliche Haltung. „Die Notenbanken wollten keine weitere Volatilität auslösen“, sagt der Osteuropa-Analyst. Der Druck auf die eigenen Landeswährungen und die Finanzsysteme sei in der ersten Jahreshälfte schon groß genug gewesen.

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