Zinswende
Fed plant Ende der lockeren Geldpolitik

Die amerikanische Notenbank Fed denkt laut über einen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik nach. Eine Abkehr von der Nullzinspolitik steht aber noch nicht auf der Agenda.
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WashingtonNach der Zinswende in Europa denkt nun auch die US-Notenbank Fed laut über eine straffere Geldpolitik nach. Zwar sei die Zeit für eine Abkehr von der Nullzinspolitik noch nicht gekommen, heißt es in den Protokollen des Fed-Offenmarktausschusses FOMC von Ende April. Dennoch wurde bereits ein grober Fahrplan für den Ausstieg aus dem Krisenmodus aufgelegt: Die Fed will demnach zuerst die Zinsen erhöhen und sich erst in einem zweiten Schritt an den Abbau der in der Krise auf 2,7 Billionen Dollar aufgeblähten Notenbank-Bilanz wagen. Eine Mehrheit des von Fed-Chef Ben Bernanke geführten FOMC sprach sich für ein solches Vorgehen aus.

Einige Mitglieder dringen aus Furcht vor einem Anziehen der Inflation bereits seit längerem auf eine Zinswende in diesem Jahr, konnten sich im FOMC jedoch nicht durchsetzen. Aus dem Protokoll geht allerdings hervor, dass mittlerweile viele Mitglieder die Sorge über die Inflation umtreibt, auch wenn sie den Ölpreisschock nur als vorübergehendes Phänomen ansehen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte im Kampf gegen den Inflationsdruck bereits im April die Zinsen auf 1,25 Prozent angehoben und wird voraussichtlich bis Ende des Jahres weitere Schritte folgen lassen.

Für die US-Notenbank steht eine Zinserhöhung derzeit jedoch nicht auf der Agenda. Bernanke hatte erst jüngst erklärt, die US-Wirtschaft benötige noch mehr Zeit, um sich nachhaltig von der schwersten Krise seit Jahrzehnten zu erholen. Der Fed-Chef hat vor allem den Arbeitsmarkt im Blick, auf dem es weiter eher düster aussieht. Allerdings gewinnen mit der anziehenden Teuerung in den USA nun die Befürworter einer Zinserhöhung an Einfluss. Zuletzt hatte etwa der Chef der Fed von Minneapolis, Narayana Kocherlakota, gesagt, die Fed könnte ihren Leitzins bereits Ende dieses Jahres anheben. Bislang waren viele Fachleute davon ausgegangen, dass der Schlüsselzins noch bis weit ins kommende Jahr bei null bis 0,25 Prozent bleibt. Allerdings lag die Inflationsrate im April bei 3,2 Prozent und damit höher als der Fed lieb sein kann.

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