Zukunft der Arbeit
Ostdeutschland blutet aus

Eine Uni bringt einer Region mehr als eine Umgehungsstraße, sagen Forscher des Hamburgischen Welt-Wirtschaftsinsituts. Die Wissenschaftler haben die Zukunft der Arbeitsplätze analysiert und festgestellt, dass die Zahl der Arbeitsplätze in den Regionen eng mit der Zahl der Hochqualifizierten verknüpft ist. Für Ostdeutschland sieht es finster aus.

DÜSSELDORF. Deutschlands Arbeitsmarkt wird sich in den nächsten zehn Jahren regional höchst unterschiedlich entwickeln. Zwar können rund drei Viertel der Kreise und kreisfreien Städte mit wachsenden Erwerbstätigenzahlen rechnen. Doch 100 Regionen verlieren den wirtschaftlichen Anschluss.

Ohne eine Trendwende blühen vor allem den meisten ostdeutschen Städten und Kreisen bis 2018 „deutliche Beschäftigungsverluste“, heißt es in der Studie „Deutschland 2018 – Die Arbeitsplätze der Zukunft“. Nach Berechnungen der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers und des Hamburgischen Welt-Wirtschaftsinstituts (HWWI) wird die Erwerbstätigenzahl in den kommenden zehn Jahren in mehr als der Hälfte aller ostdeutschen Städte und Kreise sinken.

Die gesamte Beschäftigungsentwicklung in einer Region stehe und falle mit der Zahl der Arbeitsplätze für Hochqualifizierte und einem möglichst hohen Dienstleistungsanteil, so die Experten. Die besten Köpfe gingen dahin, wo die Arbeitsplätze sind und umgekehrt, sagte HWWI-Experte Michael Bräuninger. Dieser sich selbst verstärkende Prozess sei nur schwer zu durchbrechen. Lokale Zentren müssten gestärkt werden.

Der Ausbau allein der Infrastruktur bewirke wenig, wie in der EU das Beispiel Griechenlands belege, so Bräuninger. Irland habe im Vergleich dazu mit seinen Bildungsinvestitionen weit bessere Ergebnisse erzielt. Benötigt würden Unis statt Umgehungsstraßen. Wenn jetzt kurzfristig zur Stützung der Konjunktur Infrastrukturmaßnahmen vorgezogen würden, dürften die langfristigen Ziele einer auf Wissenstransfer ausgerichteten Wirtschaftsförderung nicht aus den Augen verloren werden.

Für die Studie haben die Experten die Beschäftigungsentwicklung in allen gut 400 Städten und Kreisen Deutschlands analysiert und auf die kommenden zehn Jahre hochgerechnet. Tatsächlich dürfte die Entwicklung noch weitaus dramatischer sein, als in der Studie dargestellt. Es ist wahrscheinlich, dass sich der Trend der letzten Jahre verschärft und in den kommenden Jahren die wenigen in den strukturschwachen Regionen noch verbliebenen hochqualifizierten Arbeitskräfte ebenfalls in Städte und Kreise mit höheren Löhnen und besseren Arbeits- und Lebensbedingungen abwanderten. Bereits in den vergangenen Jahren hätte eine „Polarisierung des Humankapitals“ stattgefunden. 2018 werde sich die Beschäftigung Hochqualifizierter auf florierende Regionen konzentrieren. In fast der Hälfte der deutschen Kreise sinke in den kommenden zehn Jahren die Zahl der Hochqualifizierten. Mit einem Rückgang von 35 Prozent ist Hoyerswerda in Sachsen am stärksten von diesem Trend betroffen.

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