Zum Jahresende
China und Indien treiben die Weltwirtschaft an

China und Indien wachsen mit weit überdurchschnittlichen Raten. Auch die jüngsten Konjunkturdaten der bevölkerungsreichsten Länder liegen über den Erwartungen. Besorgnis löst unter Ökonomen allerdings die rasche Kreditexpansion aus.
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FRANKFURT. China hat im November die Rolle als Anführer der globalen Konjunkturerholung eindrucksvoll bestätigt. Die Industrieproduktion lag um fast 20 Prozent über dem Vorjahr. Die Exporte, die im Zuge der Krise dramatisch eingebrochen waren, stiegen im November fast wieder so hoch wie im Jahr davor, während die Importe um 26,7 Prozent höher lagen. Und auch in Indien wächst die Industrieproduktion zweistellig: Um 10,3 Prozent lag sie im Oktober über Vorjahr, nach einem Plus von 9,6 Prozent im September.

Haupttreiber des starken Wachstums in China bleiben die Investitionen. Sie sind in den ersten elf Monaten des Jahresgegenüber dem Vorjahreszeitraum um ein Drittel gestiegen. Auch der private Konsum unterstützt das Wachstum: Die Einzelhandelsumsätze lagen im November um 15,8 Prozent über Vorjahr.



Besorgnis löst unter Ökonomen allerdings die rasche Kreditexpansion aus. Die Kreditneuvergabe war im November nochmals um 14 Prozent höher als im Oktober. Der kreditfinanzierte Investitionsboom könnte nach Ansicht vieler Ökonomen zu einer Überhitzung führen. Diese Sorgen werden von der steigenden Inflation genährt. Die Inflationsrate war im November zum ersten Mal seit zehn Monaten mit 0,6 Prozent wieder positiv. In Indien ist das Problem noch deutlich virulenter. Hier lagen die Großhandelspreise für Lebensmittel Ende November um 19 Prozent über Vorjahr.

In China hat die Regierung bereits erste Maßnahmen beschlossen, um die Expansion der Wirtschaft etwas zu bremsen. Sie hat unter anderem die zur Ankurbelung der Konjunktur beschlossenen Steuererleichterungen für Autokäufer eingeschränkt. Außerdem erhebt sie wieder Steuern auf die Wertsteigerung von Häusern, die innerhalb von fünf Jahren weiterverkauft werden. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg plant zudem die Bankaufsicht, das Volumen der Neukredite einzudämmen.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

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