Zur Überraschung der Analysten
Deutsche Exporte legten im August stark zu

Der deutsche Exportmotor läuft und läuft. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Montag mitteilte, wurden im August Waren im Wert von 63,4 Milliarden Euro exportiert - ein Plus von 13,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

HB BERLIN. Von Juli auf August legten die Exporte saisonbereinigt um 3,5 Prozent zu. Die Importe stiegen innerhalb eines Monats um 6,0 Prozent und lagen mit 51,9 Milliarden Euro 15,3 Prozent über dem Vorjahr.

Der Überschuss in der deutschen Handelsbilanz sank auf 11,6 von 14,5 Milliarden Euro im Juli. Die Leistungsbilanz schloss mit einem Plus von 2,5 Milliarden Euro.

Volkswirte sagten zur Entwicklung des Außenhandels in ersten Reaktionen:

Ulrike Kastens, Sal. Oppenheim: „Das ist positiv, dass die Exporte zugelegt haben. Das hatte sich nach den guten Daten für die Auftragseingänge in den letzten Monaten angedeutet. Problematisch ist aber der Anstieg der Importe. Der hat bei den Drittländern stark zugenommen, unklar ist aber, ob dies etwa Großaufträge sind oder mehr Anstiege aus Opec-Ländern. Alles in allem bräuchten wir im September einen starken Rückgang bei den Importen, damit wir für die BIP-Rechnung einen positiven Wachstumsbeitrag beim Außenhandel bekommen.

Preisbereinigt können die Daten ein bisschen anders aussehen. Insgesamt gehen wir aber von einem leicht positiven BIP-Beitrag vom Außenhandel aus. Auch dürften wir einen leichten Anstieg bei den Investitionen haben. Beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) rechnen wir für das dritte Quartal mit einem Wachstum von 0,3 Prozent.“

Matthias Rubisch, Commerzbank: „Das sind insgesamt überraschend starke Zahlen, denn im August waren ja Produktion und Aufträge recht schwach. Weniger überraschend waren hierbei die guten Exporte, weil die Weltwirtschaft gut läuft und der Euro kaum belastet. Die Importe waren aber unerwartet hoch. Auf der einen Seite spiegelt dies natürlich die Verteuerung der Energie wieder und somit überlagern die nominalen Zahlen die realen Zahlen. Aber andererseits deutet es auf eine gewisse Belebung der Binnennachfrage hin. Vom privaten Verbrauch können wir aber wenig erwarten, das haben jüngste Daten und Umfragen gezeigt. Das heißt, dass das Lebenszeichen von der Unternehmensseite kommen muss.“

Andreas Ress, Commerzbank: „Die Aussichten für den deutschen Export in den nächsten Monaten sind exzellent - darauf deuten vor allem die Frühindikatoren aus der Industrie weltweit hin. Es ist eine ausgemachte Sache, dass der Außenhandel im dritten und vierten Quartal deutlich zum Wachstum beitragen wird. Diese Entwicklung lässt sich aber nicht einfach in die Zukunft fortschreiben. 2006 wird das Jahr schwächerer Exporte. Die Abkühlung an den globalen Immobilienmärkten werden wir deutlich zu spüren bekommen. Einen bitteren Vorgeschmack liefern die deutschen Exporte nach Großbritannien: Die Exporte haben sich hier im gleichen Maße abgekühlt wie der dortige Anstieg der Immobilienpreise.“

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