Zusätzliche Liquidität für das Finanzsystem
60 Milliarden Euro für Pfandbriefe

Die Europäische Zentralbank wird ab Juli deutsche Pfandbriefe und ihnen ähnliche Covered Bonds aus dem Euro-Raum kaufen. Damit soll dieses für Banken wichtige Refinanzierungsinstrument wiederbelebt werden. Dies bekräftigte am Donnerstag Zentralbank-Präsident Jean-Claude Trichet. Die Details dazu blieben indes recht vage.

FRANKFURT. Dass die Europäische Zentralbank (EZB) Covered Bonds über 60 Mrd. Euro kaufen wird, hatte sie schon im Mai angekündigt.

Wichtig war es Trichet zu betonen, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel die Unabhängigkeit der EZB „voll und ganz unterstützt“ hat. In einem Telefonat mit Trichet am Mittwoch habe Merkel die Arbeit der EZB gewürdigt. Am Dienstag hatte Merkel öffentlich der EZB mit Blick auf die geplanten Covered-Bond-Käufe vorgeworfen, sie beuge sich damit etwas dem „internationalen Druck“. Dabei verwies sie auf die Bank of England und die US-Notenbank Fed. Beide versuchen durch den massiven Ankauf von verschiedenen Anleihen, die Wirtschaft zu stabilisieren.

„In unserem Handeln beugen wir uns keinem Einfluss oder Druck“, betonte Trichet am Donnerstag. Mit dem Kauf von Covered Bonds will die EZB zusätzliche Liquidität in das Finanzsystem bringen. Covered Bonds sind mit Hypotheken oder Krediten an die öffentliche Hand gedeckte Anleihen. Sie sind für die Banken und deren Kreditvergabe wichtig, weil Investoren für die Papiere weniger Zinsen verlangen als für herkömmliche Bonds. In der Finanzkrise sind Anleger jedoch vorsichtiger geworden und die Risikoprämien für Covered Bonds gestiegen. Längere Zeit konnten Banken zudem kaum noch neue sogenannte Jumbos über mindestens eine Mrd. Euro begeben. Diese sind aber nötig, um Großkredite zu finanzieren.

Dies hat sich indes schon allein durch die Ankündigung der EZB vor einem Monat geändert. Seither haben Banken neue Jumbos über gut 18 Mrd. Euro begeben und damit mehr als in den ersten vier Monaten des Jahres. Auch die Risikoprämien sanken.

„Wenn die EZB mit den Käufen beginnt, dürfte das den Markt weiter stützen, doch die Euphorie könnte längerfristig wieder abebben“, sagte Annegret Hasler, Covered-Bond-Analystin bei Dresdner Kleinwort. Kaufen wollen die Notenbanker bis Ende Juni nächsten Jahres sowohl mit Staats- als auch mit Hypotheken gedeckte Pfandbriefe. Dabei kommen Papiere von Banken aus dem ganzen Euro-Raum infrage. Das Volumen der betreffenden Papiere soll bei 500 Mio. Euro oder mehr liegen – das absolute Mindestvolumen liegt aber bei nur 100 Mio. Euro. Das Rating der Papiere soll mindestens Doppel-A sein – es sind aber auch Käufe von Papieren mit einem sieben Stufen darunter liegenden Rating („BBB-“) möglich. Die Papiere sollen laut Trichet eine Laufzeit von bei drei bis zehn Jahren haben – auch dies sei indes nur eine Richtschnur. „Im Prinzip kommen alle auf Euro lautenden Covered Bonds aus dem Euro-Raum für die EZB infrage“, meinte dazu André Hovora, Analyst für Covered-Bonds bei der DZ Bank. Die EZB halte sich viele Hintertüren offen.

Die EZB setzt darauf, dass die zusätzliche Liquidität, die sie durch die Käufe schafft, quasi automatisch wieder abgeschöpft wird. Dabei geht sie davon aus, dass die Banken, deren Covered Bonds sie kauft, weniger Geld über Offenmarktgeschäfte mit der EZB brauchen. Damit will sie verhindern, dass sie – im Gegensatz zur Bank of England und der Fed – die Notenpresse anwerfen muss, um die Käufe zu finanzieren. Sollten die Banken nicht entsprechend reagieren, will die EZB laut Trichet „angemessene Maßnahmen“ ergreifen. Kornelius Purps, Zinsstratege bei Unicredit, findet dies wenig aussagekräftig. Vermutlich wisse die EZB selbst nicht genau, was „die Auswirkungen ihres Experiments sein werden.“

Als Käufer will die EZB sowohl im Primärmarkt – also bei Emissionen von Covered Bonds – als auch im Handel auftreten. Derzeit sei nicht daran gedacht, das Volumen von 60 Mrd. Euro zu steigern. Es ist das erste Mal, dass die EZB in einen Markt eingreift, um ihn zu stabilisieren. Analysten vermuten, dass die jeweiligen Notenbanken in den Ländern als Käufer auftreten werden. Sie kaufen im Rahmen ihrer Anlagepolitik auch jetzt schon Covered Bonds. Die Bundesbank hat laut Händlern in den vergangenen Wochen ihre Pfandbrief-Käufe extrem verstärkt. Kommentieren wollte sie dies nicht. Insgesamt gibt es auf Euro lautende Covered Bonds von Banken aus dem Euro-Raum über rund 1 500 Mrd. Euro. Auf deutsche Pfandbriefe entfällt davon gut die Hälfte.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%