Zusätzliche Milliarden fürs Finanzsysten
EZB will trotz Krise Leitzins erhöhen

Die Europäische Zentralbank hat am Mittwoch überraschend ihre Zinserhöhungsabsicht bekräftigt. Damit würde die Notenbank das Gegenteil dessen tun, was die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde ihr am selben Tag noch nahe legte. Um die verunsicherten Kapitalmärkte zu beruhigen, pumpt die EZB allerdings zusätzliche Milliarden in das Finanzsysten. Analysten sprechen von einem ungewöhnlichen Schritt.

HB/noh FRANKFURT. Eine Zinssenkung würde Unternehmen und Märkten gleichermaßen helfen, hatte die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde dem Sender BBC gesagt. Die Zentralbank hält dennoch an ihrer geplanten Erhöhung im September fest. „Die geldpolitische Position des EZB-Rats hat dessen Präsident am 2. August deutlich gemacht“, heißt es in dem Kommuniqué des Rats, das dieser am Mittwoch veröffentlichte.

Anfang des Monats hatte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet durch ein Signalwort die Absicht kundgetan, den Leitzins anzuheben. Trichet hatte damals betont, die Notenbank beobachte die Inflationsrisiken mit „besonderer Wachsamkeit“. Dies gilt als Schlüsselformulierung für eine Zinsanhebung im nächsten Monat. Der Leitzins im Euro-Raum wird somit am 6. September voraussichtlich von 4,0 auf 4,25 Prozent steigen.

Während die meisten Volkswirte das Statement des EZB-Rats als Bekräftigung der Zinserhöhungsabsicht interpretierten, wies Uwe Angenendt von der BHF-Bank darauf hin, das Trichet auch betont habe, dass man die Marktturbulenzen genau beobachten werde. Damit habe er dem EZB-Rat eine Hintertür offen gelassen, die immer noch offen sei. Wegen der jüngsten Finanzmarktturbulenzen hatte sich am Finanzmarkt zuvor die Einschätzung durchgesetzt, dass die EZB von der geplanten Leitzinserhöhung abrücken werde. Von der US-Notenbank wird sogar eine baldige Zinssenkung erwartet.

Langfrist-Tender ausgeschrieben

Gleichzeitig wird die EZB aber Milliarden in den Geldmarkt pumpen, um die Märkte weiter zu stabilisieren. Der EZB-Rat beschloss gestern, den Banken 40 Mrd. Euro zusätzliche Liquidität mit dreimonatiger Laufzeit zur Verfügung zu stellen. Der sogenannte Tender ende am 23. November. Die Refinanzierungsoperation soll zu einer „Normalisierung des Funktionierens“ des Euro-Geldmarktes beitragen, erklärte die EZB. Die Notenbank teilte weiter mit, der Tender sei zusätzlich zu der bereits vorgesehenen Finanzierung in der kommenden Woche vorgesehen.

Am Geldmarkt, wo Banken ihren Liquiditätsbedarf ausgleichen, waren wegen der US-Hypothekenkrise die Zinsen stark gestiegen, da die Banken sich untereinander kaum noch Kredite geben wollten. Die EZB hatte mit zusätzlichen Übernachtkrediten bereits die Zinsen für Tagesgeld auf das Leitzinsniveau gedrückt. Doch bei den Termingeldern, wie etwa bei Dreimonatsgeld, hatte die Kreditklemme fortbestanden.

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