Zuwachs: Chinas Wachstum bremst überraschend stark ab

Zuwachs
Chinas Wachstum bremst überraschend stark ab

Die Hoffnung auf eine rasche Erholung der chinesischen Wirtschaft hat sich nicht erfüllt. Der Durchhänger wirkt sich bereits deutlich auf das Geschäft ausländischer Unternehmen aus. Jetzt will die Regierung nachhelfen.
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BeijingDie chinesische Wirtschaft schwächelt weiter. Das Wachstum lag im Sommerquartal lediglich bei 7,4 Prozent, wie das Statistikamt in Peking am Donnerstag mitteilte. Das Wachstums der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft sinkt damit bereits seit sieben Quartalen.

Den Statistikern zufolge ist die Talsohle jedoch bereits durchschritten. "Die Wirtschaft befindet sich insgesamt in einem stabilen Zustand", sagte ein Sprecher der Statistikbehörde. Die Arbeitslosigkeit liege weiterhin sehr niedrig, während der Außenhandel sich zuletzt erholt hat. Gerade die jüngsten Indikatoren für September zeigen durchweg einen Knick nach oben.

Wegen des hartnäckigen Durchhängers hat die Regierung im Sommer wieder angefangen, mehr für die Konjunktur zu tun. Für Oktober bis Dezember erwarten die Ökonomen daher ein Anziehen der Wirtschaftstätigkeit.

Aus Sicht der Wirtschaft ist die Kehrtwende überfällig. Der lange Durchhänger wirkt sich bereits deutlich auf das Geschäft ausländischer Unternehmen aus. "Angesichts hoher Überkapazitäten und niedrigen Wachstums halten sich viele unserer Kunden mit neuen Bestellungen zurück", ist von einem deutschen Mittelständler zu hören. "Wir sehen durchaus Bremsspuren in unseren Zahlen."

China ist in den vergangenen Jahrzehnten meist mehr als zehn Prozent pro Jahr gewachsen. So hohe Werte lassen sich derzeit jedoch nicht halten: Die Wirkung der Konjunkturpakete von 2009 ist abgeklungen; der Export nach Europa sinkt.

Das offizielle Ziel liegt im laufenden Jahr daher lediglich bei 7,5 Prozent. Die chinesische Regierung verknappt bewusst das Geld, um die Wirtschaft von Fehlinvestitionen abzuhalten. "Obwohl das Wachstum zahlenmäßig sinkt, ist es gerade dadurch stabiler", sagte Premier Wen Jiabao auf einer Wirtschaftskonferenz in Tianjin.

Doch Wen hat im gleichen Zuge auch versprochen, das Wachstum nicht unter den aktuellen Tiefpunkt absacken zu lassen. Die Regierung in den vergangenen zwei Monaten Mittel für neue Bauvorhaben wie U-Bahnen, Flughäfen und Autobahnen freigegeben. Die Investmentbak Nomura schätzt das Volumen auf 125 Milliarden Euro.

Im Gesamtjahr wird der BIP-Zuwachs einer Mehrheit der Prognosen zufolge auf 7,7 oder 7,8 Prozent kommen. „Wir erwarten, dass das Wachstum in vierten Quartal sichtbar zurückkommt“, sagt Ökonom Zhang Zhiwei von Nomura.

Obwohl das niedrigere Wachstum die Mangager auch verunsichert, ist die deutsche Wirtschaft vor Ort grundsätzlich optimistisch, dass sie weiterhin in China gute Geschäfte machen kann.

Gerade die Autoindustrie als Schlüsselbranche wächst gegen den Trend: In den ersten neun Monaten hat allein Volkswagen in China zwei Millionen Autos abgesetzt – das bedeutet ein kräftiges Plus von 18 Prozent. „Ich bin mit der Leistung der Gruppe sehr zufrieden“, teilte Jochem Heimann mit, der neue Chef von VW China. Die Autonachfrage scheint vorerst auf einem anderen Blatt zu stehen als das Gesamtwachstum.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

Kommentare zu " Zuwachs: Chinas Wachstum bremst überraschend stark ab"

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  • What goes up, must come down. Anders als die exponentiell verlaufende Vermehrung innerhalb von Populationen ohne ausreichende Sterberaten verlaufen Wachstumsprozesse einzelner Induividuen und Organisationen letztlich immer degressiv.

  • Die Schlagzeile ist mMn falsch.
    Die chin. Regierung hat eine Abbremsung angestrebt und die ist gelungen. Wieso aus Sensationsgier suggeriert wird, als ob China mit der geplanten geringeren Steigerung vor dem Absturz stünde, erschließt sich mir nicht.
    Von der chin. Regierung könnte man in der EUdSSR und BRiD lernen: während die Chinesen sich gegen die Überhitzungserscheinungen am Immobilienmarkt etwashaben einfallen lassen, wird in der BRiD eine gewaltige Immoblase aufgeblasen und alles klatscht Beifall.

  • Die deutschen Autobauer und deren Lieferanten haben den Trend schon vor einigen Jahren erkannt und sehr stark in Asien investiert. Alle grossen deutschen Autobauer wie BMW, Audi & Mercedes produzieren schon längst in China, wie auch deren Lieferanten Schaeffler. Jetzt in der Eurokrise können die oben genannten die Verluste in Europa mit den zusätzlichen Gewinnen in Asien gut wettmachen.

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