Zuwanderung sinkt weiter
Deutschland = Auswanderungsland

Deuschland kann den Bevölkerungsschwund immer weniger durch Zuwanderung ausgleichen. Im Jahr 2006 betrug der Saldo zwischen Zuzügen und Auswanderung nur noch knapp 23 000 Personen. Im Jahr davor waren es vier mal soviel, zu Beginn des Jahrzehnts mehr als 200 000.

BERLIN. Die 2006-Zahlen veröffentlichte das Statistische Bundesamt am Mittwoch. Damit ändert sich zugleich die Grundlage für die langfristige Bevölkerungsprognose der amtlichen Statistiker. Bisher gehen sie in ihrer jüngsten Prognose davon aus, dass die Bevölkerung bis 2050 im Westen um 14 Prozent zurückgehen und im Osten sogar um ein Drittel schrumpfen wird. Basis dafür ist aber – neben einer gleich bleibenden Geburtenrate – auch ein jährlicher Zuwanderungssaldo von durchschnittlich rund 100 000 Menschen. Dieser wurde jedoch seit 2003 nicht mehr erreicht.

Noch drastischer ist die Entwicklung allerdings, wenn man lediglich die Wanderungsbewegungen der Menschen mit deutschen Pass betrachtet. Hier sind bereits zum zweiten Jahr in Folge sogar mehr Menschen weggezogen als zugewandert. Zudem verdreifachte sich das Minus von knapp 17 000 im Jahr 2005 auf 52 000 im vergangenen Jahr. Das ist ein historisch neue Situation: Das letze mal wanderten Ende der 60-er Jahre unterm Strich mehr Deutsche aus als ein.

Aktuell liegt dies vor allem daran, dass immer weniger Spätaussiedler zu uns kommen: 2004 registrierte das Bundesverwaltungsamt noch 50 000, im Jahr darauf noch 31 000 und 2006 waren es dann gerade mal noch 7 000. Aber auch die Zahl der deutschen Auswanderer stieg erneut, wenn auch nur moderat um sieben Prozent auf 155 000.

Hauptzielländer derer, die 2006 ihre Heimat verließen, waren wieder die Schweiz, die USA und Österreich. Zwar ist nicht bekannt ist, aus welchen Bevölkerungs- oder Berufsgruppen die Auswanderer stammen und ob sie auf Dauer oder nur für bestimmte Zeit ins Ausland gehen. Doch Experten, die Auswanderer betreuen, wiesen schon im vergangenen Jahr darauf hin, dass es vor allem handwerker und Akademiker sind, die zwar hier noch einen Job haben, im Ausland aber auf bessere Chancen hoffen. Diverse Nachbarländer wie Schweiz, Österreich, Niederlande und Dänemark werben seit Jahren deutsche Fachkräfte an. Der Osnabrücker Migrationsforscher Klaus Bade warnt seit langem vor einem Schneeballeffekt.

Ökonomen sind jedoch optimistisch, dass sich der Trend wieder umkehrt. Dass ausgerechnet im wirtschaftlichen Boomjahr 2006 die Zuzüge nach Deutschland sanken und die Fortzüge stiegen, erklärt sich Joachim Ragnitz vom Institut für Wirtschaftsforschung (IWH) mit der zeitlichen Verzögerung, mit der der Wirtschaftsaufschwung bei den Menschen im In- und Ausland wahrgenommen werde: "Bis Mitte letzten Jahres galt Deutschland ja noch als der kranke Mann Europas". Und zu einer Auswanderung entscheide man sich nicht von heute auf Morgen. In diesem Jahr könne sich das Bild daher durchaus wandeln.

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