Zweifel an der Nachhaltigkeit des Aufschwungs
Den Balkan-Staaten droht die ökonomische Überhitzung

Die Balkanstaaten stehen nach Jahren mit sehr gut laufender Konjunktur vor der Gefahr wirtschaftlicher Überhitzung. Vor allem die aus den USA herüberschwappende Kreditkrise gebe Anlass zur Besorgnis, warnen führende Ökonomen der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) und des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW).

BERLIN. Vor allem Rumänien und Bulgarien, die seit diesem Jahr der Europäischen Union angehören, befänden sich weiter in einem zum großen Teil kreditfinanzierten Konsumrausch. Dieser verschlechtere beständig die außenwirtschaftliche Position beider Staaten. Sollte die Kreditkrise anhalten, könne die Konsumlust gefährlich werden. Darüber hinaus bestünden Zweifel an der Nachhaltigkeit des Aufschwungs. Hinzu komme, dass in Rumänien eine lang anhaltende Dürre große Teile der Ernte vernichtet hat.

Vor allem wachsende Handelsdefizite und die Schieflage in vielen Leistungsbilanzen seien eine Herausforderung für die wirtschaftliche Stabilität auf dem Balkan, meint S & P-Analyst Moritz Kraemer: „Nun ist eine besonnene Antwort der Politiker nötig, weil Liquiditätsprobleme heraufziehen könnten und politische Risiken zunehmen, da das Endspiel um den endgültigen Status des noch zu Serbien gehören Kosovo begonnen hat.“

Die Rating-Spezialisten sehen als Gründe für die mögliche Konjunktur-Überhitzung in Rumänien, Bulgarien und dem EU-Anwärter Kroatien „die jahrelange Liquiditätsschwemme, den aggressiven Markteintritt westlicher Banken und historisch niedrige Kreditsummen gemessen an den Bruttoinlandsprodukten“.

Die EU-Annäherung habe die Nachfrage stark angekurbelt, die Löhne heftig in die Höhe schießen lassen, Investitionen und vor allem die Preise für Vermögenswerte explodieren lassen. Eine sich verschärfende Liquiditätskrise in der Weltwirtschaft könnte so das Wachstum des Balkan-Trios austrocknen lassen, schreibt S & P im jüngsten Ökonomie-Report über die Region.

WIIW-Experten weisen zudem darauf hin, dass sich auf dem Balkan die Lohnstückkosten erhöhen, was aber noch nicht zur Erosion der Wettbewerbsvorteile führe. Aber langfristig drohe auch von dieser Seite Gefahr – gepaart mit dem rasant steigenden Mangel an Facharbeitern, der viele Investitionsvorhaben in Frage stellen könnte. Andererseits wirkt der EU-Beitritt oder die Perspektive dazu laut den Ratingspezialisten positiv, da eingeleitete Strukturreformen langfristiges Wachstum ermöglichten.

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