Zweite Revision
US-Wirtschaft wächst im zweiten Quartal nur um 1,0 Prozent

Eine weitere Hiobsbotschaft für die Märkte: Die US-Wirtschaft ist im zweiten Quartal mit 1,0 Prozent deutlich schwächer gewachsen als zuvor berechnet worden war. Mit Spannung wird Bernankes Rede erwartet.
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WashingtonDie US-Wirtschaft steht weiter auf äußerst schwachen Beinen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im zweiten Quartal auf das Jahr hochgerechnet lediglich um 1,0 Prozent, wie das das Handelsministerium in Washington am Freitag in seiner zweiten Berechnung mitteilte. Es korrigierte damit seine erste bereits enttäuschende Schätzung von Ende Juli - 1,3 Prozent - noch nach unten. Im ersten Quartal war die Wirtschaft sogar nur um 0,4 Prozent gewachsen. Das Wachstum im ersten Halbjahr war damit unter dem Strich das schwächste seit Beginn der Konjunkturerholung Mitte 2009.

Die Postbank erwartet nach den Zahlen jedoch im zweiten Halbjahr eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums. „Die ersten für das laufende Quartal vorliegende Wirtschaftsdaten signalisierten bereits eine gewisse Verbesserung“, heißt es in einem Kommentar. Die Postbank erwartet in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent. Mit umso größerer Spannung und Nervosität erwarteten die Märkte eine Rede von US-Notenbankchef Ben Bernanke ebenfalls am Freitag in Jackson Hole (Wyoming) zum weiteren Konjunkturausblick.

Zuvor war spekuliert worden, Bernanke könnte bei dieser Gelegenheit neue Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft in Aussicht stellen. Experten hielten es aber zuletzt für zunehmend unwahrscheinlich, dass der Fed-Chef sich auf konkrete Schritte festlegt. Wahrscheinlicher sei es, dass er schlicht verschiedene Optionen der Notenbank zur Konjunkturstützung erläutern und bekräftigen werde, dass die Federal Reserve darauf vorbereit sei, im Notfall jederzeit einzugreifen.

Im vergangenen Jahr hatte Bernanke auf der traditionellen Notenbank-Konferenz in Jackson Hole die zweite Runde milliardenschwerer Anleihenkäufe eingeläutet - die sogenannte quantitative Lockerung oder „quantitative easing“, kurz QE2. Das hat zu Spekulationen auf den Finanzmärkten geführt, dass Bernanke angesichts des enttäuschenden Wachstums, der jüngsten Turbulenzen an den Börsen und der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit die Bereitschaft signalisieren werde, ein weiteres Mal die Notenpresse anzuwerfen.

Neben der Möglichkeit weiterer Anleihenkäufe nannten Experten im eine Senkung des Zinssatzes, den die Geschäftsbanken auf Einlagen bei der Fed zahlen müssen. Auch eine Änderung der Struktur der Anleihenkäufe sei denkbar, das heißt, die Notenbank könnte fällige Wertpapiere vermehrt in lang laufende Staatspapiere reinvestieren.

Die revidierte Schätzung für das zweite Quartal spiegelt dem Handelsministerium zufolge vor allem geringere Lagerbestände und Exporte wider. Volkswirtschaftler hatten für das zweite Quartal einen Zuwachs von 1,1 Prozent erwartet. Es habe sich eine Menge Unsicherheit aufgebaut, zitierte die Wirtschaftsagentur Bloomberg Jonathan Basile von der Credit Suisse in New York. „Es sieht gewiss nicht danach aus, als stünde eine größere Beschleunigung (des Wachstumstempos) bevor.“

Etwas positiver als zunächst ermittelt entwickelte sich der private Konsum. Er stieg um 0,4 Prozent, nachdem in der Erstschätzung noch ein Anstieg von 0,1 Prozent ermittelt worden war. Der Anstieg ist jedoch immer noch der niedrigste Zuwachs seit einem Jahr. „Die Zahlen zeigen einmal mehr in welch schwierigem Fahrwasser sich die US-Wirtschaft im ersten Halbjahr befand“, schreibt die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) in
einem Kommentar.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ich glaube auch, dass es den USA sehr helfen würde, wenn die Vertreter der Teaparty an die Regierung kommen würden.

    Selbst die FED wird sich dann genau überlegen, was sie wirklich machen.

  • Vielleicht haben Sie etwas nicht richtig verstanden: Das HB stellt, vertreten durch die Redakteure und auch durch Gastbeiträge, eine Vielzahl an Beiträgen - und damit an Meinungen zu einem bestimmten Thema, zur Diskussion. Oder ist Ihnen noch nicht aufgefallen, daß selbst aus der gleichen Redaktion unterschiedliche Ansichten zu der gleichen Sache veröffentlicht werden?

    Mir hilft es, meine Auffassung auf einzelnen Gebieten dadurch recht gut abgleichen zu können. Und wenn Ihnen die vertretene Meinung nicht gefällt, haben Sie doch immerhin die Moglichkeit, durch das Vorbringen von Fakten in einem eigenen Kommentar produktive Kritik zu üben. Das ist mehr als fair.

  • Ich bin kein LeserBriefSchreiber, aber nun muss es sein.
    Die Art und Weise wie das 'Handelsblatt' und andere Medien sich unreflektiert (oder, schlimmer: wohlüberlegt) zum Schergen für die Zocker machen die an der Volatilität unserer Börsen verdienen und Headlines in die Welt setzen wie heute "EINE HIOBSBOTSCHAFT FÜR DIE MÄRKTE" wenn es um das immerhin 1%ige Wachstum der US Wirtschaft geht, ist einfach nur unerträglich!
    Kann man Sie noch als seriöses Medium betrachten oder sind Sie zum Meinungsblog für Wiwi Erstsemester geworden??

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